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Arizona-Attentat: Palin wehrt sich gegen "Blutanklage"

Former Alaska governor Sarah Palin speaks during the Republican 2010 Victory Fundraising Rally in Orl
(c) REUTERS (Scott Audette)
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Die Galionsfigur der Tea-Party-Bewegung wirft Kritikern ihrer polarisierenden Rhetorik vor, die "Gewalt anzustacheln". Palin war nach dem Anschlag wegen ihrer "Feuer frei"-Rhetorik in die Kritik geraten. Mit Video

Sarah Palin wehrt sich gegen Schuldzuweisungen im Zusammenhang mit dem Attentat von Tucson. Der Galionsfigur der Tea-Party-Bewegung war vorgeworfen worden, mit ihrer polarisierenden Rhetorik ein vergiftetes Klima geschaffen zu haben, das potenzielle Attentäter glauben lassen könnte, gerechtfertigt zu handeln. Die republikanische Politikerin wies den Vorwurf in einer im Internet veröffentlichten Videobotschaft entschieden zurück.

Zugleich warf Palin den Medien vor, mit Schuldzuweisungen gegen sie und andere Vertreter der Rechten die innenpolitische Polarisierung noch zu verschärfen. "Besonders in den Stunden nach einer solchen Tragödie sollten Journalisten und Kommentatoren keine Blutanklage fabrizieren", sagte Palin in der Videobotschaft. Dadurch würden sie "jenen Hass und jene Gewalt anstacheln, die sie zu verurteilen vorgeben".

Palins Videobotschaft

Das von Palin benutzte Wort "Blutanklage" (englisch "blood libel") ist theologisch besetzt. Es beschreibt in der Regel verleumderische Anklagen gegen religiöse Minderheiten, vor allem gegen Juden - etwa in Form von mittelalterlichen Ritualmordvorwürfen oder der Vorhaltung, Juden trügen Schuld am Tod von Jesus Christus.

"Nicht nachgeben - nachladen"

Palin war in den vergangenen Tagen wegen ihrer aggressiven Rhetorik in die Kritik geraten. Häufig zitiert wurden nach dem Attentat Aussprüche der Republikaniern wie "Nicht nachgeben - nachladen". Auf ihrer Internetseite hatte sie vor den Kongresswahlen im November 2010 außerdem ein Fadenkreuz auf den Wahlkreis der Abgeordneten Gabrielle Giffords und 19 andere demokratischen Abgeordnete gelegt und Giffords Mandat als eine der wichtigsten "Ziele" bezeichnet.

Giffords selbst hatte im vergangenen Jahr in einem TV-Interview zu Palins Landkarte mit den Fadenkreuzen Stellung genommen: "Wir stehen auf Sarah Palins Abschussliste", sagte sie damals. "Wenn Menschen so etwas tun, müssen sie sich darüber im klaren sein, dass dies Konsequenzen hat". Giffords wurde von Jared Lee Loughner am 8. Jänner aus nächster Nähe in den Kopf geschossen. Sie überlebte schwer verletzt. Sechs weitere Menschen starben.

Für Palin handelt es sich um die Tat eines Einzelnen: "Akte von monströser Kriminalität stehen für sich selbst, sie beginnen und enden mit den Kriminellen, die sie begehen", sagte sie. Sie würden nicht "kollektiv begangen von den Bürgern eines Staates", die ihr verfassungsmäßiges Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben.

Clinton: "Auch wir haben Extremismus"

US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnete unterdessen das Blutbad in Arizona als eine Form von Extremismus. Wann immer eine politische Debatte oder politische Unzufriedenheit in Gewalt umschlage, handle es sich um Extremismus - ganz gleich, ob es sich um Gruppen wie al-Qaida, Rechts- oder Linksideologen handle. "Auch wir haben Extremismus", sagte Clinton bei einem Besuch der Universität in Abu Dhabi.

Das Arizona-Attentat

Der 22-jährige Jared Lee Loughner feuerte am Samstag bei einer Kundgebung in Tucson im US-Bundesstaat Arizona auf die demokratische Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords. Danach schoss er blind in die Menge. Sechs Menschen wurden getötet, Giffords und zahlreiche weitere Menschen verletzt. Loughner wurde festgenommen und bereits wegen Mordes angeklagt. Die Polizei geht davon aus, dass er ein geistig verwirrter Einzeltäter ist.

(APA)