Gefälschter Schiele ist nur mehr 500 Euro wert

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Die Oberbank sei selbst schuld an der Fehleinschätzung bei dem gefälschten Schiele-Gemälde "Der Kampf der Zentauren", sagt "Im Kinsky"-Chef Otto Hans Ressler. Die Geldbranche reagiert reserviert auf den Fall.

„Wir schätzen kostenlos für die Banken. Das sind ja unsere Kunden. Wir haften sogar für Fehleinschätzungen. Aber die Banken glauben, sie wissen es besser, und das kommt dabei heraus“, erklärte Otto Hans Ressler, Chef des Auktionshauses „Im Kinsky“, am Mittwoch auf Anfrage der „Presse“ zu dem gefälschten Schiele-Gemälde „Der Kampf der Zentauren“. Er habe das Bild vor zwei Jahren gesehen und sich mit seinen Partnern, dem Sammler und Rechtsanwalt Ernst Ploil sowie dem Kunsthändler Michael Kovacek beraten, gemeinsam seien sie zu der Überzeugung gekommen, dass das Werk nicht von Schiele sei. Es scheine auch in den Werkverzeichnissen der Instanzen in Sachen Schiele, Rudolf Leopold und Jane Kallir (New Yorker Galeristin) nicht auf.

Kunst als Kreditbesicherung ist üblich

Die Oberbank, die das Gemälde zur Besicherung eines 1,6-Mio.-Euro-Kredites angenommen hatte, sagte am Mittwoch, sie warte die Klärung der Eigentumsverhältnisse ab. Ein Privatmann und ein Anwalt ringen um das Gemälde. Der Prozess kostet angeblich 150.000 Euro, aufgrund des ursprünglich angenommenen Streitwertes von acht Mio Euro. Ressler: „Das können sich die Kontrahenten jetzt sparen. Das Bild ist höchstens 300 bis 500 Euro wert.“

„Niemand würde glauben, dass ein Bild mit dem Titel ,Kampf der Zentauren‘ von Schiele ist“, meint Kunsthändler Wolfdietrich Hassfurther: „Schiele war kein Symbolist.“ Dass Banken Bilder zur Besicherung von Krediten annehmen, ist üblich, dass sie sich bei der Schätzung von Kunst irren, komme öfter vor: „Manchmal verschwindet auch was. Das wird natürlich meist verschwiegen, weil es keine Werbung für die Bank ist“, erläutert Hassfurther.

Die Geldbranche reagiert reserviert auf den Fall. Ein Bankmann, der nicht zitiert werden will, sagt: „Es ist wichtig, bei Kunst seriöse Gutachter zu haben. Es ist peinlich, wenn sich ein Gemälde, das man zur Kreditbesicherung übernommen hat, als Fälschung herausstellt.“ Ein Fall war die Kunstsammlung, die Wolfgang Flöttl der Bawag gab, um Verluste abzudecken, darin soll sich auch ein gefälschter Picasso gefunden haben. Der gefälschte Schiele ist im Art Loss Register verzeichnet, das aber betont, keine Echtheitszertifikate auszustellen. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2011)

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