Katastrophe

Wie die internationale Gemeinschaft den Erdbebenopfern zu Hilfe eilt

Das österreichische Bundesheer hilft in der Provinz Hatay.
Das österreichische Bundesheer hilft in der Provinz Hatay.APA/GEORG HOCHMUTH
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Von Deutschland bis Indien schicken Länder Hilfstrupps in das türkische Erdbebengebiet. Österreichische Soldaten retteten einen Mann aus dem Trümmern.

Das Hilfsangebot soll zunächst abgelehnt worden sein, das sagten am Mittwoch mehrere zypriotische Diplomaten. „Uns wurde gesagt“, so Kornelios Korneliou, hochrangiger Beamter im Außenministerium in Nikosia, „dass man unsere Hilfe nicht brauche.“ Eine Entscheidung, die Ankara offenbar rasch revidierte. Denn ein zypriotisches Team bestehend aus 21 Spezialisten machte sich auf den Weg ins Erdbebengebiet im Südosten der Türkei. Gleichzeitig bot die Fluggesellschaft Cyprus Airways an, ihre Maschinen für den Transport von dringend benötigten Gütern und Rettungskräften zur Verfügung zu stellen.

Die internationale Gemeinschaft hat angesichts der Erdbebenkatastrophe in der Türkei und in Nordsyrien rasche und unkomplizierte Hilfe angeboten – auch jene Länder wie Zypern, deren Beziehungen zur Türkei angespannt sind. Griechenland gehörte zu den ersten Staaten, die Hilfe schickten: Neben zwei Dutzend Feuerwehrleuten sind auch Spürhunde, Mediziner und Wissenschaftler im Einsatz. Seit dem großen Erdbeben in der Westtürkei im Jahr 1999 hat sich zwischen Athen und Ankara die Bezeichnung Erdbeben-Diplomatie durchgesetzt: Während Katastrophen – wie zuletzt bei den Waldbränden – unterstützten einander beide Länder ungeachtet aktueller politischer Krisen.

Spezialisten mit Suchhunden

Auch weitere europäische Länder haben Rettungsteams entsendet. Aus Köln machte sich ein Hilfstrupp bestehend aus 41 Spezialisten und sieben Suchhunden auf den Weg in den Südosten der Türkei, Tschechien schickte erfahrene Feuerwehrleute. Brüssel hilft indessen mit dem Copernicus Satellitensystem, um die Suche nach Verschütteten zu erleichtern. Größere Hilfstrupps kamen aus der Schweiz und Großbritannien an, in Los Angeles bestiegen rund 100 Feuerwehrleute sowie Ingenieure und Suchhunde den Hilfsflieger Richtung Türkei.

Das indische Rettungsteam, bestehend aus 99 Helfern und Medizinern, brachte Röntgen-, Sauerstoff- und EKG-Geräte mit sich. Für viel Resonanz sorgte indessen die Ankündigung der Ukraine, ebenfalls Rettungskräfte in die Türkei schicken zu wollen. Aus mehr als 70 Ländern seien Hilfsangebote gekommen, sagte der türkische Präsident, Recep Tayyip Erdoğan.

Fünf Tonnen Spezialausrüstung

In der Nacht auf Mittwoch kam auch das Afdru-Kontingent (Austrian Forces Disaster Relief Unit) des österreichischen Bundesheeres in der schwer getroffenen Provinz Hatay an; das Team besteht aus 82 Personen (und sechs Suchhunden), das nun bei der Suche nach Verschütteten hilft. Einen ersten Erfolg meldeten die Soldaten bereits am späten Mittwochnachmittag: Ein Überlebender wurde aus den Trümmern geborgen.

Weitere Helfer aus Österreich bestiegen am Dienstag in Zürich den Flieger Richtung Krisenregion. Die Ortsfeuerwehr in Rankweil in Vorarlberg schickte Mitglieder des Spezialtrupps Gebäudeeinsturz für internationale Einsätze (Saruv) ins Krisengebiet. Die Helfer kamen mit fünf Tonnen Spezialausrüstung wie Suchkameras und Ortungsgeräten in der Türkei an.

Neben den Rettungshelfern hat die internationale Gemeinschaft auch finanzielle Hilfe in Aussicht gestellt, allein Australien will sieben Millionen Dollar zur Verfügung stellen, Katar sechs Millionen. (duö)

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