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Alfons Haider: Warum er mit einem Mann tanzt

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(c) Clemens Fabry
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Alfons Haider wird bei den „Dancing Stars“ vom Moderator zum Tänzer – mit einem Mann. Wie es dazu kam – und wie er dieses Signal versteht.

Gesellschaftspolitische Debatten über die „Dancing Stars“? Hatt man bisher wohl eher nicht erwartet. Man mag die Tanzshow mögen oder nicht, als Aufreger diente sie bisher kaum. Bis Dienstag, als die letzten teilnehmenden Kandidaten bekannt wurden – und die Tatsache, dass der bisherige Moderator Alfons Haider auf die Seite der Tänzer wechselt, und zwar mit einem weiteren Mann.

Nun gibt es das Tanzformat zwar weltweit, eine solche Kombination aber nicht. Einzig in Israel haben im Herbst schon zwei Frauen miteinander getanzt: Die bekennend lesbische Sportmoderatorin Gili Shem Tov hatte ihre Teilnahme an eine weibliche Tanzpartnerin geknüpft und wollte die Bühne explizit für ihre politische Botschaft nützen: „Wenn ich nur ein paar Leute erreiche, die nach der Sendung etwas offener und toleranter sind als vorher, dann habe ich mein Ziel schon erreicht.“ Der Sender erkannte den Marktvorteil und machte mit.

Nun scheiden sich in Österreich an Alfons Haiders Entscheidung die Geister. Ist es ein Schritt, um etwas, das bei Frauen viel eher akzeptiert ist (Berührungen, gemeinsames Tanzen), auch in Bezug auf Männer salonfähig zu machen? Ist es ein Versuch, Schwulsein abseits schriller Events ins ganz normale Leben zu integrieren? Oder doch nur ein Marketinggag, um mit einem kalkulierten Aufregerthema die Quote der mittlerweile sechsten „Dancing Stars“-Staffel in die Höhe zu treiben?


Entstanden, sagt Haider, sei die Idee vor Jahren als Notlüge. Weil er zum Tanzen gedrängt worden sei, nicht wollte – und dachte, unter der Bedingung „nur mit einem Mann“ käme eine Teilnahme ohnehin nie zustande. Ein paar Staffeln später sieht die Sache offenbar anders aus, nach vier Durchgängen als Moderator und einem als Juror hat Haider doch Lust bekommen, „nicht nur den Mund einzusetzen, sondern auch das Beinwerk“. Und siehe da, seiner nunmehr ernst gemeinten Bedingung wird stattgegeben. „Wenn ich mit Kelly Kainz getanzt hätte, hätte man ja sonst auch nur gesagt, der theatert sich rein.“

Vorwürfe, dass er provoziere oder nach der Quote giere, sagt Haider, könne er mit einem einzigen Argument entkräften: „Wenn man aus dem sicheren Moderationsgeschäft aussteigt, dann hat das schon einen anderen Grund. Ich wollte mit dieser Sendung einmal Spaß haben. Und schauen, ob es in Österreich schon geht. Ich persönlich glaube, dass die breite Masse der Österreicher bereit dafür ist.“

Freilich, ein Widerspruch bleibt. Denn Haider will sich explizit nicht als Aushängeschild sehen („bin keine schwule Jeanne d'Arc“) – und ist es trotzdem. Haider: „Vielleicht ist genau das der richtige Weg. Wann immer ich bewusst versucht habe, gesellschaftspolitisch etwas zu bewegen, habe ich furchtbar draufgezahlt. Jetzt denke ich einmal nicht daran, sage einfach: Ich finde es normal, wenn Männer miteinander tanzen.“ Auch wenn er es noch nie getan hat.

Eine gewisse Naivität kann man ihm da nicht absprechen. „Ich hab viel zu spät überrissen, dass es natürlich gesellschaftspolitische Relevanz haben könnte.“ Sagt jener Mann, den schon die Reaktionen auf sein Outing 1997 quasi überrollt haben. Davor hatte er „aus Angst sehr lange verdeckt gelebt, wie auch viele meiner prominenten Kollegen heute noch“. Das Outing sei ein Rundumschlag gewesen, „weil ich mich befreien wollte, ich bin ja erpresst worden“. Haider landete auf sämtlichen Titelseiten. „Aber nicht, weil ich der Alfons Haider bin, sondern weil das Thema nicht aufgearbeitet war.“


Nun betritt er wieder neues Terrain, im Februar erfährt er, welcher (heterosexuelle) Tänzer mit ihm abwechselnd die Führung übernimmt. Im ORF traue man ihm die Premiere jedenfalls zu. „Weil ich ein Klientel habe, das vielleicht keinen geradlinigen Zugang zum Thema hat, aber sich auch denkt: Naja, warum nicht? Als Lieblingsschwiegersohn bin ich eh schon lang verloren.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2011)