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Eklat um Ungarn-Teppich

Eklat UngarnTeppich
(c) AFP (JOHN THYS)
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In Brüssel müssen alle Besucher des EU-Ratsgebäudes über einen Großungarn-Teppich marschieren. Ein Sprecher der Ratspräsidentschaft meint, es gehe nicht um „nostalgische Erinnerungen“.

Brüssel/Red. Nach Mediengesetz und Sondersteuer gegen ausländische Konzerne hat Ungarn mit der optischen Gestaltung seiner EU-Präsidentschaft den nächsten Eklat ausgelöst. Denn die Regierung hat im Brüsseler Ratsgebäude einen Teppich auflegen lassen, der das Land in seiner Ausbreitung von 1848 zeigt. Während ein Sprecher der ungarischen Ratspräsidentschaft erklärte, es gehe nicht um „nostalgische Erinnerungen an Großungarn“, kritisieren andere die künstlerische Aktion.

Der 202 Quadratmeter große Teppich besteht aus zahlreichen Motiven, darunter auch die Karte von 1848, einem Jahr, als Ungarn Kriege gegen Nicht-Magyaren in ihrem Königreich führten. Damals wurden sowohl Russen, Kroaten, Rumänien, Slowaken als auch österreichische Truppen angegriffen. In Folge führte dies zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Österreich, Russland und Kroatien. Letztlich endete dies im österreichisch-ungarischen Ausgleich.

„Der Teppich spiegelt die derzeitige Fidesz-Politik wider, die Träume von Großungarn aufleben lässt“, kritisiert die grüne EU-Abgeordnete Ulrike Lunacek. Der rumänische EU-Abgeordnete Ioan Mircea Paşcu wies auf der Internetplattform „euobserver“ darauf hin, dass die EU-Staaten heute Grenzen abbauen und nicht bedauern sollten, dass es frühere Grenzen nicht mehr gibt.

Infolge des Friedensvertrages von Trianon im Jahr 1920 musste Ungarn zwei Drittel seines Territoriums und drei Millionen seiner Bürger an seine Nachbarländer abtreten. Dieses Trauma hält bis heute an. Die ungarische Regierung hat allen Auslands-Magyaren nun einen ungarischen Pass angeboten. Sie können seit 1.Jänner die ungarische Staatsbürgerschaft erlangen. Dieses Gesetz wurde von einigen der EU-Partner heftig kritisiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2011)