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„The Green Hornet“: Superheld sucht Gefolgschaft

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(c) AP (Jaimie Trueblood)
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Hollywood reanimiert eine Radiofigur der 1930er-Jahre, mit Österreicher Christoph Waltz als Bösewicht: nostalgisch und nervtötend. Michel Gondrys Regie wirkt orientierungslos.

Hollywood ist nicht blöd. Und die Studiobosse wissen genau, dass ihnen in den letzten zehn Jahren ein Publikum herangewachsen ist, dass keine Unterscheidung mehr kennen will zwischen Blockbuster und Indie-Film. Dynamisiert hat diese Entwicklung Christopher Nolan: ein eigenbrötlerischer, durchaus kunstsinniger Regisseur, der aus dem „Batman“-Entwurf eine sehr zeitgeistige Großstadtsymphonie destilliert hat.

Insofern ergibt es der Studiologik zufolge durchaus Sinn, den exaltierten, ostentativ analog arbeitenden Franzosen Michel Gondry vor einen Superheldenfilm zu spannen. Als Karotte, die hippe, reflektierte Stadtmenschen in einen Film lockt, der The Green Hornet heißt. Denn auf eine wirkliche Gefolgschaft wie seine ungleich berühmteren maskierten Kollegen kann dieser Kämpfer für Recht und Ordnung nicht bauen.

Ersonnen Mitte der 1930er-Jahre von einem Detroiter Radiomacher, sollte The Green Hornet für den Sender den Erfolg ähnlich gelagerter Hörspielreihen wie „Lone Ranger“ fortsetzen. Ihre Masken tragen diese Helden auch als Schutz vor dem Gesetz, das zur Zeit von Al Capone und Konsorten regelmäßig außer Kontrolle gerät. Dieser Verzahnung legaler und illegaler Machtstrukturen bleibt Gondry auch im Entwurf der Filmgeschichte, geschrieben von Hauptdarsteller Seth Rogen und Evan Goldberg, treu.

Der Tonfall allerdings hat sich geändert: War Tageszeitungsinhaber Britt Reid in den Radio-, Kino- und Fernsehserien, die bis in die 1960er-Jahre produziert wurden, ein moralisch integrer Mann, sieht man ihm nun tanzend und saufend: Rogen legt den Millionenerben als verwöhntes, verantwortungsloses Balg an. Als sein Vater (schöne Nebenrolle für den großen Tom Wilkinson) an einem Bienenstich stirbt, muss er die Geschicke des „Daily Sentinel“ übernehmen – und stürzt sich in die nächste Eskapismusfantasie.

 

Waltz: vergnüglich, aber auf Autopilot

Gemeinsam mit dem japanischen Ingenieursgenie Kato (in der 1960er-Jahre-Fernsehfassung spielt der junge Bruce Lee, hier der asiatische Superstar Jay Chou) motzt er den väterlichen Fuhrpark auf, rast mit einem Chrysler Imperial durch die Stadt und prügelt Verbrecher. Benjamin Chudnofksy (vergnüglich, aber auf Autopilot: Christoph Waltz), ein russischer Unterwelt-Entrepreneur, ruft zum Gegenschlag auf und hetzt tollpatschige Vasallen auf „Green Hornet“.

Man sollte meinen, ein solches Projekt mit so vielen Wurzeln im vergangenen Jahrhundert stünde Michel Gondry mit seinem Faible für Texturen und organische Oberflächen gut zu Gesicht: Tatsächlich orientiert er sich primär an der Radiosendung aus den 1930er-Jahren, genießt es, Artefakte aus der Epoche mit zeitgenössischen Ästhetiken zu kreuzen. Waltz und seine Bagage geben herzzerreißend rückwärtsgewandte, von Allmachtsfantasien gesteuerte Bösewichter ab, und auch Cameron Diaz als vorwitzige Sekretärin Lenore scheint aus einer Dekade zu stammen, in der Katharine Hepburn und Claudette Colbert ihren männlichen Kollegen pointierte Paroli bieten durften.

„Green Hornet“ und Kato hingegen spielen eine gegenwärtige, ziemlich nervtötende Kumpelkomödie durch, die sich zu oft am nostalgischen Flair des Restfilms stößt. Gondrys Regie wirkt orientierungslos: Einerseits fühlt er sich als Blockbuster-Macher spürbar unwohl, versucht die abgeschmirgelte Erzählung immer wieder aufzulösen oder zu sabotieren. Andererseits ist seine außergewöhnliche Ästhetik auf ein Minimum reduziert: Ein einziges Mal versprühen handgemachte Animationen visuelles Flair, ansonsten sieht und fühlt sich The Green Hornet wie der nächste, gar nicht sonderlich spannende Akt im nicht enden wollenden Defilee von Superheldenfilmen an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2011)