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Neue Serien: Westernheld schlägt Unternehmensberater

Vier neue Serien im Überblick: Was können sie? Soviel vorweg: Charismatische Schauspieler – Christoph Waltz, Eva Green – machen noch keine überzeugende Serie, auch wenn man ihnen manchmal gern beim Scheitern zusieht.

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The Consultant

Christoph Waltz als Soziopath
Zu sehen auf Amazon

Was erwartet man bei einer Führung von Kindern durch ein Unternehmen am wenigsten? Dass eins von ihnen den CEO erschießt. Und dann sagt: „I want my mummy.“ Damit beginnt die Amazon-Prime-Serie „The Consultant“, und damit verwandelt sich das hippe Unternehmen, in dem Computerspiele entwickelt werden, in einen Hort der Angst und Irritation. Denn Christoph Waltz betritt als Berater mit ominösem Auftrag die Szenerie und setzt sich in das Büro des toten Chefs; das Blut an der Glaswand ist noch nicht abgewaschen. Die Mitarbeiter wissen nicht, wie ihnen geschieht. Zuerst feuert der von Waltz verkörperte Regus Patoff alle, die nicht innerhalb von einer Stunde vor Ort sind. Dann lässt er Mitarbeiter aufstellen, um an ihnen zu riechen.

Ein Soziopath, so viel ist klar. Und vom Geschäft hat er offenbar keine Ahnung. Was tut er hier, und warum? Elaine (Brittany O'Grady) und Craig (Nat Wolff) versuchen es herauszufinden und geraten in absurde Situationen. Waltz (er besitzt übrigens keinen Fernseher) glänzt mit diabolischer Aura, die Handlung ist diffus. Schon bald fragt man sich, ob es hier ein Spiel im Spiel gibt, ähnlich wie bei „Squid Game“. Die Grausamkeit spielt sich freilich auf einer anderen Ebene ab. (rovi)

Das Gesetz nach Lidia Poët

Historienkrimi und Modeschaulauf
Zu sehen auf Netflix

Wir befinden uns in Turin Ende des 19. Jahrhunderts. Die Straßen sind schön, die Menschen sind es auch, die Kleidung sowieso: Es ist Italien! Nur die Verbrechen sind hier wie dort grässlich. Das ist die Kulisse, in der sich die Handlung von „Das Gesetz nach Lidia Poët“ abspielt. Vage nachempfunden ist die Historien-Krimiserie dem Leben der gleichnamigen Juristin, die als erste Frau Italiens das Studium der Rechtswissenschaften abschloss. Als Anwältin praktizieren durfte sie deshalb noch lange nicht.

Gespielt wird die Titelheldin in der italienischen Produktion von Matilda De Angelis. Man schaut ihr gern dabei zu, wie sie sexistische Kommentare wegsteckt und das System austrickst, mehr oder weniger plausibel Mordfälle löst und sich mit attraktiven Männern in Techtelmechtel verstrickt. Dabei wird es auch expliziter: Mit einer schön gezeichneten Sexszene startet die Serie und auch sonst sieht man viel nackte Haut. Wie üblich bei Historiendramen wurde viel wert auf Kleidung gelegt, man darf sich pro Folge über vier, fünf Kostümwechsel freuen. Die Musikbegleitung – FKA Twigs und Florence and the Machine – ist anachronistisch. Keine Serienüberraschung, aber perfekt für einen faulen Sonntagnachmittag. (sir)

Django

Zeitgeistige Western-Neuinterpretation
Zu sehen auf Sky

Sergio Corbuccis Italo-Western „Django“ (1966) war schmutziger und sozialkritischer als die pompös-heroischen Cowboystreifen der klassischen Hollywood-Ära. Der unverwüstliche Titelheld fand sich in einem Konflikt zwischen Mexikanern und Südstaatlern wieder. Sein Erzfeind war ein weißer US-Major. In Quentin Tarantinos Remake (2012) war Django hingegen schwarz und wehrte sich gegen kaukasische Sklavenhalter.

Eine neue Sky-Serie, eine französisch-italienische Koproduktion, knüpft nun an diese Elemente an, aber erzählt eine eigene Geschichte: Django (Matthias Schoenaerts) ist hier ein weißer Bürgerkriegsveteran, der für die falsche Seite gekämpft hat und sich reumütig in den Dienst einer von Schwarzen, Prostituierten und Transgender-Personen betriebenen Kommune stellt. Willkommen heißt die geächtete Gemeinschaft den Fremden aber erst, als er sich im Kampf gegen die evangelikalen Rassisten aus der revanchistischen Nachbarschaft bewährt. Die Widerstandsgruppe, für die er arbeitet, ist nicht lupenrein, aber klar moralischer als ihre Feinde. Indem der Fokus nicht allein auf Django liegt, entsteht ein vielschichtiges Panorama ambivalenter Figuren, das auch ästhetisch überzeugt. (mt)

Liaison

Komplexer Spionagethriller mit Eva Green und Vincent Cassel
Zu sehen auf Apple TV+

Der Titel deutet auf eine amouröse Verbindung, eine geheime Liebschaft hin – und ja, so eine muss es gegeben haben in der Vergangenheit der britischen Regierungsbeamtin Alison (Eva Green) und des französischen Söldners und Ex-Geheimagenten Gabriel (Vincent Cassel). Was genau zwischen ihnen gelaufen ist, rückt diese anglo-französische Koproduktion nur langsam heraus. Spuren der alten Leidenschaft dürften jedenfalls noch da sein: Zumindest bezeugen das tiefe Blicke und erratisches Verhalten der Protagonisten, die in einen Cyberterrorismus-Krimiplot verwickelt sind.

Nein, auf der romantischen Ebene überzeugt „Liaison“ trotz hochkarätiger Darsteller nicht, dafür demonstriert die Serie gut, was passieren kann, wenn Menschen mit viel Verantwortung persönliche Begehrlichkeiten über ihre beruflichen Pflichten stellen. Die sechs multilingualen Folgen haben von allem ein bisserl viel: politische Intrigen, Actiongefechte, komplexe Verwicklungen (zwischen zwei syrischen Hackern und europäischer Post-Brexit-Bürokratie), zwischendurch knallen mitten in London Züge aufeinander. Eine Aura des Geheimnisvollen liegt über allem – wirklich flirren tut hier aber nichts. (kanu)

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