Kino

Film "Tár": Keine Macht für diese Frau?

Cate Blanchett spielt in „Tár“ eine übergriffige Dirigentin. Und nein, das ist kein Film über #MeToo mit umgekehrten Vorzeichen. Es ist vielmehr ein Film über Kontrollverlust.

Da sitzt sie lässig auf der Bühne des Konzertsaals im Lincoln Center, ihr gegenüber ein devoter Interviewer. Und sie weiß genau, wie sie das New Yorker Bürgertum zu nehmen hat, das scharenweise gekommen ist, um einen Blick auf die berühmte Dirigentin zu erhaschen: Lydia Tár huldigt Leonard Bernstein, ihrem „Mentor“. Gewährt Einblick in ihre Arbeit, ohne irgendwen zu überfordern: „I start the clock“, erklärt sie und hebt einen imaginären Stab. Sie meint, dass sie lieber „Maestro“ genannt wird; „Maestra“ findet sie lächerlich. Und nebenbei promotet sie ihr Buch: „Tár über Tár“. Tja, kein Titel für Bescheidene.

Und sie ist ja auch nicht bescheiden. Sie ist souverän, hat Macht, trägt Anzug, setzt sich durch. So ist Tár: wenn sie dirigiert, streng und gerecht. Wenn sie beim Unterrichten einen woken Studenten bloßstellt, der meint, er sei „not into Bach“. Wenn sie einen ungeliebten alten Kollegen loswerden will. Wenn sie beschützt: Als die Tochter ihrer Lebensgefährtin gemobbt wird, taucht sie vor dem Tor der Volksschule auf und stellt die kleine Tyrannin zur Rede: Sie werde ihr das Leben zur Hölle machen, wenn sie damit nicht aufhöre, und sie solle erst gar nicht versuchen, von ihrem kleinen Gespräch irgendjemandem zu erzählen. Man werde ihr nicht glauben. Sie sei ein Kind. Sie, Tár, ist erwachsen.


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