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Morgenglosse

Ebbe nach der Lehrerschwemme

Bis zu 30.000 Menschen fehlen dem Schulsystem in den kommenden Jahren. Wo man sie auftreiben soll, weiß niemand. Auch nicht das reformmüde Bildungsministerium.

Martin Polaschek hat gerade viele Briefe geschrieben. Nicht ans Christkind, wobei das gar nicht mal so abwegig klingt, wenn man sein Motiv dahinter kennt. Die heurigen Maturanten und Maturantinnen sollen animiert werden, Lehramt zu studieren. Denn in der Schule winkt ihnen bekanntlich ein „Klasse.Job“, wie das Ministerium seit Herbst im Rahmen der „größten Lehrkräfteoffensive der Zweiten Republik“ propagiert.

Das ist sie womöglich auch, hat es dabei aber auch nicht schwer: Eine solche hat es vorher nie gegeben. Obwohl bis 2030 bis zu 30.000 Lehrkräfte fehlen, hat man vor nicht allzu langer Zeit jungen Menschen vielmehr davon abgeraten, in den Berufsstand einzusteigen. Lehrerschwemme hieß das damals. Nun sucht man sie händeringend.

Fromme Briefe, keine Reformen

Wo sie herkommen sollen, weiß niemand so genau. Überraschend ist, dass die Lage so viele überrascht. Wie dramatisch die Pensionierungswelle der Babyboomer sein wird, weiß man seit Jahren, auch wenn sie Corona vermutlich verschärft hat. Dass zu den Zukunftsverkennern der Minister selbst zählt, ist da nur ein Nebenschauplatz, wenngleich ein bezeichnender. Er hat an der Umstrukturierung und Verlängerung der Lehramtsstudien mitgewirkt. Nun muss er sie wieder rückgängig machen.

Kürzere Studien und einige Quereinsteiger sind gut, aber nicht genug. Ohne finanzielle Anreize und endlich (!) mehr Supportpersonal wird es nicht gehen. Langfristig muss sich die Schule endlich aus ihrem parteipolitischen Würgegriff und dem lähmenden Föderalismus befreien, um ihr negatives Image abzulegen. Auch die gemeinsame Schule bis 15 wird ohne ideologische Scheuklappen diskutiert werden müssen. Das aber können nur Reformkraft und Visionen schaffen, die Polaschek nicht hat und niemals hatte. Seine 40.000 Briefe wären damit beim Christkind tatsächlich besser aufgehoben.