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Kroatiens Tourismuskönige ohne Land

(c) APA (ART/BLAHA)
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Kroatien verstaatlicht die Grünflächen privater Hotels. Wollen sie die Grünflächen weiter benützen, müssen sie dafür bezahlen. Wieviel, das weiß keiner. Bis Ende Jänner muss um Konzessionen angesucht werden.

An sich konnten Kroatiens Hoteliers mit der vergangenen Sommersaison durchaus zufrieden sein. Allein im August suchten 2,8 Millionen ausländische Feriengäste Entspannung unter der kroatischen Sonne. Das bedeutete immerhin eine deutliche Steigerung verglichen mit dem August des Vorjahres. Dennoch herrschte in den Chefetagen der meisten Hotels zur Jahresmitte 2010 nicht Erleichterung, sondern Bunkerstimmung. Grund für die Verstimmung war ein Gesetz, das die Regierung in Zagreb erlassen hatte und das die Investitionen vieler, auch österreichischer Tourismusunternehmer im Land akut gefährdet.

 

Wiese vor Hotel geht an den Staat

Das Gesetz sieht vor, den Betreibern die Grünflächen rund um die meisten Hotels und Campingplätze zu entziehen und wieder an die Gemeinden beziehungsweise den Staat zurückzuführen. Quasi über Nacht drohen die Investoren dadurch ihre Parks und Wälder – im schlimmsten Fall sogar den direkten Meerzugang – zu verlieren.

Das ist nur deshalb möglich, weil in der chaotischen Phase der Transformation in den 1990er-Jahren zumeist nur die Hotels und die Flächen direkt unter den Gebäuden verkauft wurden. Die umliegenden Wälder und Wiesen verblieben entgegen den damals herrschenden Gesetzen weiterhin im längst abgeschafften „Volksbesitz“. Obwohl die Flächen seither über Jahrzehnte von den Hoteliers genutzt und gepflegt wurden, sollen sie nun wieder öffentliches Eigentum werden. Damit stehen aber gerade jene Unternehmer, die rasch nach der Wende zugekauft haben, heute vor den größten Problemen.

Wollen sie die Grünflächen weiter benützen, müssen sie dafür bezahlen. Bis Ende Jänner haben die Hoteliers und Campingplatzbetreiber beim kroatischen Staat um eine Konzession anzusuchen. Danach wird das nunmehr in Staatsbesitz befindliche Land öffentlich ausgeschrieben und jeder, auch der rivalisierende Nachbarhotelier, kann mitbieten.

Die Zeit drängt also, und hier beginnt das eigentliche Problem: Denn die für 1. November 2010 angekündigte Durchführungsverordnung für das Konzessionsansuchen existiert bis dato nicht, klagt Gregor Famira, Partner bei der Anwaltskanzlei CMS Reich-Rohrwig Hainz. „Es gibt genug kleine und mittlere Hotels, die nun glauben, dass sie gar nicht um die Konzession ansuchen müssen“, schätzt der Anwalt. In seinen Augen wäre das eine Fehlentscheidung. Er rät Betroffenen, sich in jedem Fall um eine Konzession zu bemühen.

 

Hotels ohne Grünflächen?

Die österreichische Beteiligungsgesellschaft Epic, mit der Hotelkette Valamar einer der größten Hotelbetreiber in Kroatien, hat ein entsprechendes Ansuchen in der Schublade. Ob es letztlich für alle 30 Hotels und Appartementanlagen eingereicht wird, werde erst Ende des Monats entschieden, heißt es auf Anfrage. Noch seien die Informationen über die Zusatzkosten zu spärlich. Auch mancher österreichischen Bank dürfte die Entwicklung im Adriastaat Sorgen bereiten. Allen voran der Hypo Group Alpe Adria, die viele Hotels im Land finanziert hat und großes Interesse daran haben sollte, dass sich diese gut entwickeln.

Wahrscheinlicher ist der gegenteilige Fall. Denn selbst im besten Fall wird sich das „Leben“ für viele Tourismusinvestoren in Kroatien empfindlich verteuern. Erste Entwürfe der lange erwarteten Verordnung sehen nicht nur einen Quadratmeterpreis, sondern auch eine Umsatzkomponente vor. Das heißt, der Preis für die weitere Nutzung der teils brachliegenden Wiesen und Wälder wird an den Umsatz gekoppelt, den die Hotels einspielen. Bei Valamar schätzt man die Zusatzkosten bei den eigenen Campingplätzen und Hotels auf jeweils eine Million Euro im Jahr. Dann, so ist inoffiziell zu erfahren, werde man vermutlich auf ein Ansuchen verzichten, und dann müssten die meisten Valamar-Hotels künftig ohne weitläufige Grünflächen auskommen.

Auf einen Blick

Österreichs Tourismusinvestoren in Kroatien droht Ungemach. Die Wiesen und Wälder direkt um viele Hotelgebäude gehören künftig dem Staat. Suchen sie nicht bis Ende Jänner um Konzessionen an, dürfen sie die Grundstücke nicht mehr nutzen. Zwei Wochen vor Fristablauf fehlt die entsprechende Verordnung, die zumindest die Preise für die Nutzung regelt, völlig.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.01.2011)