Pizzicato

Politische Freistöße

Unter all den Fußballweisheiten galt Gary Linekers Spruch als einer der populärsten und witzigsten: „Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen immer die Deutschen.“

Nach dem frühzeitigen deutschen WM-Aus in Russland und Katar ist das Zitat längst passé, und Lineker hat es auch revidiert: „Wer immer das gesagt hat, hat keine Ahnung vom Fußball und sollte absteigen.“

Der Ex-Teamstürmer und BBC-Moderator hat sich nach seiner Kritik an der britischen Migrationspolitik nun freilich in Teufels Küche gebracht. Nach einer gelben Karte bangt er um seinen Job bei der Institution – der „alten Tante“, die unter Druck der Regierung steht. In einem Tweet hatte Lineker die Rhetorik der Tories mit der der Nazis verglichen. Es ist eben doch leichter, von der Seitenlinie Haltungsnoten für Fußballer zu vergeben als für Politiker.

Dass sich am Fußballplatz zuweilen ein politisches Minenfeld verbirgt, weiß Andreas Herzog als Ex-Teamchef Israels, wo er mit einem Sieg über Österreich und einer Wutrede kurz Ruhm erlangt hat. „Spezi“ Jürgen Klinsmann holt den früheren Freistoßspezialisten als Co-Trainer nach Südkorea, wo das Territorium nicht minder explosiv ist. Ein falsches Wort, und Nordkoreas „Little Rocket Man“ jagt „Freistöße“ – sprich: Raketen – über die Grenze. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2023)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.