Musikverein

Wie Keenlyside es schafft, dass uns vor London graut

Beim Liederabend im Musikverein überzeugte der Bariton nur zum Teil.

Mitternächtliche Straßen, Angstschreie, ein Leichenwagen und hallende Seufzer: Düster und erschreckend ist das Bild, das William Blake in seinem Gedicht „London“ von der Stadt zeichnet. Diese Grundstimmung war sofort da, als Simon Keenlyside seinen Liederabend im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins begann. Eindringlich legte der britische Bariton das Grauen in seine profunde Stimme. Und er spannte den Bogen von dieser Vertonung durch Benjamin Britten gleich weiter, ohne Atempause: zum Lied „Die Stadt hat mich belehrt“ von Hanns Eisler, das Brecht'sche Weisheiten enthält wie: „Paradies und Hölle können eine Stadt sein.“ Der Sänger und sein Partner am Klavier, Malcolm Martineau, ließen die Lieder verschmelzen und erzeugten so ein bedrohliches Ganzes.

Keenlyside sparte dabei nicht mit expressiv eingesetzter Fülle. Vor allem in der Mittellage ist sein Bariton sehr tragfähig. Die Höhen aber machten ihm unverkennbar zu schaffen. Oft gelangen ihm Übergänge in die Kopfstimme nicht ideal. Doch in seinem Kernbereich war er fähig, unter die Haut Gehendes zu präsentieren. Dabei war er mit seinem durchschlagskräftigem Organ nicht verschwenderisch unterwegs: In Brittens „Tyger“ flüsterte er fast – und ließ dann wieder die Stimme anschwellen, um Angst und Bedrohung zu unterstreichen.

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