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Klimakrise: Madeira könnte zum Fluchtpunkt werden

Madeira
Madeira Imago
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Während sich das Landesinnere Portugals von 2080 bis 2100 um bis zu sieben Grad aufheizen könnte, wird für Madeira nur ein Anstieg um ein bis drei Grad befürchtet.

700 Kilometer westlich von Afrika und 4800 Kilometer von Bachmut liegt eine erstaunliche Insel: Zumindest bei oberflächlicher Recherche konnte ich keinen Krieg ausmachen, der je um Madeira ausgefochten worden wäre. Als portugiesische Seefahrer die unbesiedelte Insel 1419 wiederentdeckten, war sie frei zur Entnahme, später fielen statt fremder Armeen französische und englische Piraten ein, Zweiter Weltkrieg war hier keiner. Ich konnte weder antiportugiesischen Separatismus identifizieren (das wäre mit Blick auf den von früheren Autonomieregierungen angehäuften Schuldenberg ziemlich blöd) noch antieuropäische Absetzbewegungen (Straßen und Tunnel der dramatisch zerklüfteten Vulkaninsel wurden aus EU-Fonds finanziert).

Auch die Auswirkungen der Klimakrise auf das meist frühlingswarme Madeira-Klima sind längst nicht ausgemacht: Manche Studien sagen zwar eine Abnahme der bislang auskömmlichen Niederschläge um 30 Prozent und eine Zunahme punktuell starken Winterregens voraus. Während sich das Landesinnere Portugals von 2080 bis 2100 um bis zu sieben Grad aufheizen könnte, wird für Madeira und die Azoren aber nur ein Anstieg um ein bis drei Grad befürchtet. Madeira könnte mehr denn je zum Flucht-punkt werden. Gegen Flutkatastrophen wie jene vom Februar 2010 (49 Tote, 250 Verletzte) ist nun unter anderem mit 62 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank vorgesorgt: Massive, aus zehn Meter hohen Betonzacken gebildete Geröllsperren versperren die Bachbetten.

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