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Wenig Chance für Aufnahme Luschkows in Österreich

(c) EPA (Yuri Kadobnov)
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Der abgesetzte Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow sucht verzweifelt nach einem neuen sicheren Domizil. In Lettland ist er soeben abgeblitzt. Österreich hat offenbar Angst, sich die Finger zu verbrennen.

Moskau. Die britische Queen schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, und der Papst versteht die Welt nicht mehr. Moskaus abgesetzter Bürgermeister Juri Luschkow hat sich bei beiden eingeschlichen und verkündet seine Pläne: Er will den Buckingham Palace abtragen. Auf dem Big Ben ragt bereits das Firmenlogo von Luschkows Ehefrau und Multimilliardärin Jelena Baturina. Und mit Entsetzen hört der Papst, dass an der Stelle des Petersdoms ein Einkaufszentrum entstehen soll: „Vatikan-Plaza“. Da hilft nur ein Anruf im Kreml. Man wisse selbst nicht, wohin mit Luschkow, sagt Präsident Dmitri Medwedjew und erhält von Wladimir Putin den Rat, Luschkow nach Polen zu schicken – als Rache dafür, dass dort der US-Raketenabwehrschild geplant war.

Als „Galopom po Evropam“, als „Galopp durch Europa“, würde man in Russland den Inhalt des Animationsfilms wiedergeben, der im Dezember im russischen Fernsehen aufgetaucht ist. In der Tat irrt der 74-jährige Luschkow, der 18Jahre als Drittmächtigster des Landes Moskau regiert hat und Ende September wegen Vertrauensverlustes geschasst worden ist, wie im Galopp durch Europa, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Am Montag war ihm eine solche in Lettland versagt worden. Offenbar wegen früherer verbaler Ausfälle gegen Lettlands Regierung wurde Luschkow sogar zur unerwünschten Person erklärt.

 

„Schlüsselkraft“ für Ehefrau?

Nun wolle er in Österreich – seine Frau betreibt in Kitzbühel ein Luxushotel – um eine Aufenthaltsgenehmigung vorstellig werden, schrieb die „Tiroler Tageszeitung“ am Dienstag. Noch sei er nicht da gewesen, erfuhr „Die Presse“ im österreichischen Konsulat in Moskau. Nach den geltenden Regeln müsse er selbst vorsprechen. Es sei denn, seine Frau Baturina würde ihn als unselbstständige Schlüsselkraft in einer ihrer österreichischen Firmen unterbringen wollen, dann sei der Antrag von Österreich aus zu stellen. Die Quoten für Privatpersonen ohne Arbeit seien gering und meist Anfang Jänner schon vergeben.

Ein Aufenthaltstitel für Luschkow sei eine politische Frage, heißt es aus dem engeren österreichischen Netzwerk des Prominentenduos zur „Presse“: Luschkows Lobbyisten hätten längst vorgefühlt und seien abgeblitzt, weil sich Österreich nicht mit einer Person, die im Kreml in Ungnade gefallen ist, die Finger verbrennen will.

Er brauche eine Aufenthaltsgenehmigung für mehr Bewegungsfreiheit, sagte Luschkow, Duzfreund von Wiens Bürgermeister Michael Häupl, selbst. Wohl auch, weil Baturina seit September nicht mehr nach Russland kommt und zwischen Kitzbühel und London pendelt. Die einstige Baulöwin wird korrupter Machenschaften bezichtigt. Manche Wirtschaftsbereiche hat sie monopolistisch kontrolliert, sodass ihr Abgang teils zu massiven Preissenkungen geführt hat. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Geschäfte in Moskau abtreten muss.

Zumindest den Klauen jener Justiz will sie entkommen, die während Luschkows Regentschaft in ziemlich allen Streitfällen für das Paar entschieden hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2011)