Banken

Wann gilt eine Bank als systemrelevant?

Das Logo der angeschlagenen und systemrelevanten Großbank Credit Suisse.APA/AFP/FABRICE COFFRINI
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Die kriselnde Großbank Crédit Suisse erhielt als erste global systemrelevante Bank seit der Finanzkrise einen Rettungsschirm. Doch wann genau ist eine Bank eigentlich „systemrelevant“?

Die Aktien der Schweizer Großbank Crédit Suisse erholten sich am Donnerstag zwar von der Talfahrt der letzten Tage, Ruhe will auf den globalen Finanzmärkten dennoch nicht so wirklich einkehren. Zu groß ist vor allem in Asien die Angst vor einer sich weiter ausweitenden Bankenkrise, ausgelöst durch die Pleite der Silicon Valley Bank in den USA. Mit der seit Jahren kriselnden Crédit Suisse sorgt nun auch eine Großbank in Europa unfreiwillig für Aufsehen. Immerhin ist das Schweizer Geldhaus die erste global systemrelevante Bank seit der Finanzkrise, die ein Rettungspaket erhält. Doch was macht ein Geldhaus eigentlich zur systemrelevanten Bank? Und welche zählen dazu? Ein Überblick.

Regionale und globale Systemrelevanz

Zunächst gilt es, zwischen regionalen und globalen systemrelevanten Banken zu unterscheiden. In Österreich hat die Finanzmarktaufsicht (FMA) beispielsweise sieben Banken - Erste Group, Raiffeisen Bank International, Unicredit Bank Austria, Bawag P.S.K., Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und die Volksbank-Gruppe - als systemrelevant eingestuft. Global ist keine einzige von ihnen vertreten.

Wann eine Bank systemrelevant ist, unterscheidet sich je nach Land mitunter deutlich. Grundsätzlich gilt: Banken sind dann systemrelevant, wenn ihr Ausfall aufgrund ihrer Größe, ihrer Vernetzung mit dem Finanzsystem und der Volkswirtschaft oder ihrer engen Verflechtung mit dem Ausland erhebliche negative Folgeeffekte bei anderen Kreditinstituten auslösen und die Stabilität des gesamten Finanzsystems bedrohen könnte.

Konkret bedeutet das: Die FMA ist der Ansicht, dass ein Ausfall einer der sieben gelisteten Banken zu verheerenden Folgen am heimischen Finanzmarkt führen würde. Weltweit wären die Auswirkungen allerdings überschaubar.

Welche Banken global systemrelevant sind, gibt im Übrigen der Finanzstabilitätsrat (FSB) jährlich bekannt. Ein Ausfall der dort gelisteten Banken würde also nicht nur den Finanzmarkt des jeweiligen Herkunftslandes, am Beispiel der Crédit Suisse also jenen der Schweiz, bedrohen, er hätte auch Auswirkungen auf das weltweite Finanzsystem. Ein Dominoeffekt als Folge eines Ausfalls könnte beispielsweise weitere Banken mitreißen, die mit dem systemrelevanten Geldhaus vernetzt sind, was wiederum die Finanzmärkte in deren Ländern destabilisiert.

Besondere Schutzmaßnahmen

Daher gelten für diese Institute auch besondere Regeln: Neben zusätzlichen Kapital- und Liquiditätspuffern werden für systemrelevante Banken auch zu „Normalzeiten“ gewisse Vorbereitungsmaßnahmen für eine Sanierung oder zusätzliche Liquidation getroffen. Das jüngste Praxisbeispiel hierfür: Die 50-Milliarden-Franken-Stütze der Schweizer Nationalbank für die Crédit Suisse.

Alle global systemrelevanten Banken im Überblick

  • JP Morgan Chase
  • Bank of America
  • Citigroup
  • HSBC
  • Bank of China
  • Barclays
  • BNP Paribas
  • Deutsche Bank
  • Goldman Sachs
  • Industrial and Commercial Bank of China
  • Mitsubishi UFJ FG
  • Agricultural Bank of China
  • Bank of New York Mellon
  • China Construction Bank
  • Credit Suisse
  • Groupe BPCE
  • Groupe Crédit Agricole
  • ING
  • Mizuho FG
  • Morgan Stanley
  • Royal Bank of Canada
  • Santander
  • Société Générale
  • Standard Chartered
  • State Street
  • Sumitomo Mitsui FG
  • Toronto Dominion
  • UBS
  • UniCredit
  • Wells Fargo

(ham)


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