Kriegsverbrechen

Ukraine-Bericht des Menschenrechtsrats: Schwere Vorwürfe gegen Moskau

Archivbild aus der ukrainischen Stadt Kramatorsk.
Archivbild aus der ukrainischen Stadt Kramatorsk.APA/AFP/ANATOLII STEPANOV
  • Drucken

UNO-Ermittler sehen in der Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland "Kriegsverbrechen“. Sie prangern aber auch vorsätzliche Tötungen, rechtswidrige und inhumane Einsperrungen und sexuelle Gewalttaten an.

Russische Truppen haben im Ukraine-Krieg nach Darstellung einer Untersuchungskommission des UNO-Menschenrechtsrats zahlreiche Kriegsverbrechen begangen. Dazu zählten vorsätzliche Tötungen, Angriffe auf Zivilisten, rechtswidrige Gefangenschaft, Vergewaltigung und die Verschleppung von Kindern, hieß es in dem am Donnerstag in Genf vorgelegten Bericht.

Der zwangsweise Transfer ukrainischer Kinder nach Russland oder in von Russland kontrollierte Gebiete der Ukraine stellt nach Einschätzung von UNO-Ermittlern ein Kriegsverbrechen dar. Die Deportation von Kindern im großen Stil "verstößt gegen internationales humanitäres Recht und kommt einem Kriegsverbrechen gleich", so die Ermittler. Nach Angaben der ukrainischen Regierung wurden bis Februar mehr als 16.000 Kinder aus der Ukraine nach Russland oder in russisch kontrollierte Gebiete verschleppt.

Darüber hinaus könnten die Angriffswellen der russischen Streitkräfte auf die Energieinfrastruktur der Ukraine und der Einsatz von Folter Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen. Auch die ukrainischen Streitkräfte seien in einigen Fällen zu kritisieren. Willkürliche Angriffe und zwei Fälle von Folterung russischer Kriegsgefangener seien Kriegsverbrechen, so die Kommission.

Ermittler waren achtmal in der Ukraine

"Viele der vorsätzlichen Tötungen, rechtswidrigen Einsperrungen, Vergewaltigungen und sexuellen Gewalttaten wurden im Rahmen von Hausdurchsuchungen begangen, die darauf abzielten, Anhänger der ukrainischen Streitkräfte ausfindig zu machen oder Waffen zu finden", stellte der Bericht fest. Die willkürlich verhafteten Menschen seien von den russischen Streitkräften oft in überfüllten Zellen unter schlimmsten Umständen gefangen gehalten worden.

"In einem Fall starben zehn ältere Menschen an den Folgen der unmenschlichen Bedingungen in einem Schulkeller, während die anderen Inhaftierten, darunter auch Kinder, denselben Raum mit den Leichen der Verstorbenen teilen mussten", hieß es weiter. Bei Vergewaltigungen seien Familienmitglieder, darunter auch Kinder, gezwungen worden, dem Verbrechen zuzusehen.

Für die Ermittlungen reiste die Kommission nach eigenen Angaben achtmal in die Ukraine und besuchte 56 Städte und Siedlungen. Außerdem seien Gräber, Haft- und Folterstätten inspiziert sowie Fotos und Satellitenbilder ausgewertet worden. Insgesamt seien 600 Betroffene befragt worden. Laut UNO-Zahlen wurden seit Beginn des Krieges mehr als 8.000 Zivilisten getötet und mehr als 13.000 verletzt. Diese Zahlen spiegelten aber wohl nur einen Teil der wirklichen Zahlen wider, hieß es.

(APA/AFP/dpa)

Mehr erfahren

Es ist der erste Auftritt von Verteidigungsminister Sergej Schoigu nach dem gescheiterten Aufstand der Wagner-Truppen am Samstag. Wo er sich genau befindet, ist unklar.
Ukraine-Ticker

Nach abgesagtem Aufstand: Russlands Verteidigungsminister besucht Front in Ukraine

Russlands Verteidigungsminister Schoigu, gegen den sich die Kritik von Jewgenij Prigoschin vordergründig richtete, zeigt sich an der Front. Der Chef der Söldner-Truppe Wagner darf nach seiner Rebellion nach Belarus ins Exil. Ob er sich schon dort befindet, ist unklar. Die Ukraine vermeldet im Rahmen ihrer Gegenoffensive Geländegewinne entlang der Südfront und in Bachmut.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.