Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Was wurde aus ...? Alexander Maculan

wurde Alexander Maculan
Clemens Fabry
  • Drucken

1995 schlitterte der damalige Bautycoon in die Insolvenz. Mit Unterstützung langjähriger, prominenter Freunde startete er seine zweite Karriere im Osten.

Der mittlerweile fast 70-jährige Wiener erbte nach dem tödlichen Flugzegunfall seines Vaters früh das Unternehmen Hofman & Maculan. Mit 21 Jahren übernahm der diplomierte  und später auch promovierte Techniker Alexander Maculan die Leitung der 1926 gegründeten Firma. Auch auf anderen Gebieten zeigte er früh seine Ambitionen. So wurde er neunmal österreichischer Amateur-Staatsmeister in dieser damals hierzulande noch exotischen Sportart Golf.

Seinen Weitblick als Unternehmer stellte er unter Beweis, indem die von ihm geführten Firmen sehr frühzeitig zu Beginn der neunziger Jahre in die ehemaligen Oststaaten expandieren. Sein Entschluss, die Bauaktivitäten auf die ehemalige DDR zu fokussieren, entpuppte sich als folgenschwerer Fehler. Zu rasche Expansion und zu optimistische Markteinschätzung in Verbindung mit Managementfehlern führten zum Niedergang des damals zweitgrößten österreichischen Baukonzerns. Mehr als 10.000 Mitarbeiter waren damals im Unternehmen beschäftigt.

Zweitgrößte Insolvenz in Österreich

Der totale Firmenzusammenbruch folgte 1995. Das Bauimperium schlitterte mit Verbindlichkeiten in Höhe von elf Milliarden Schilling (800 Millionen Euro) in eine der größten Nachkriegspleiten Österreichs nach dem Konsum. Der Umsatz wurde im Jahr 1995 mit 16,1 Milliarden Schilling (1,17 Milliarden Euro) angegeben. Für Maculan war dies auch persönlich der Supergau. Einst von den Wirtschaftsjournalisten des Landes ob seines großen unternehmerischen Erfolgs in den frühen 1990er Jahren groß gefeiert, wurde er zum Buhmann.

Das Blatt hatte sich schlagartig gewendet. Von Medien und Banken wurde der einstige Strahlemann wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen. "Die Banken haben ihr Spiel gespielt und die Journalisten für ihre Zwecke instrumentalisiert“, diagnostizierte Maculan Jahre später. Eine schillernde Karriere schien zu Ende. In seinem Buch "Mein Fall", das 1997 am Markt erschien, versuchte der gescheiterte Baulöwe eine Aufarbeitung seiner Geschichte.

Begnadeter Netzwerker mit Schwerpunkt Oberösterreich

Im Gespräch mit dem Wirtschaftsblatt bezeichnete sich Maculan im Jahr 2003 als einen geselligen, sozialen und politischen Menschen. Zu seinen Freunden zählen Politiker wie die SPÖ-Granden Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky, Ex-Minister Karl Blecha und Bundespräsident Heinz Fischer, Wirtschaftsbosse wie Schotterbaron Hans Asamer und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl. Der begnadete Netzwerker hat heute zwar weniger Freunde als vor 20 Jahren, die aber stehen eisern zu ihm.

Dazu gehört auch der Linzer Anwalt Gerhard Wildmoser, in früheren Zeit auch Berater vom verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil. Das Besondere: Die in der Glanzzeit des Maculan-Imperiums geknüpften Freund- und Bekanntschaften hielten nicht nur rund um den Börsegang des Unternehmens im Jahr 1990, sondern bewährten sich über den Konkurs der Baufirma im Jahr 1995 hinaus. Maculan schaffte es über lange Jahre hinweg viele internationale Kontakte, vor allem in Ungarn, Polen und Russland, aufrechtzuerhalten. Mitte der 1990er Jahre war Maculan ehrenamtlich auch als Präsident der Wiener Industriellenvereinigung tätig.

Maculan als Cafetier

Durch seine Kontakte fand der ehemalige Bautycoon schnell wieder Anschluss im Business. Der Sitz seiner noch immer existierenden Maculan Holding AG ist der gleiche geblieben: Annagasse 6 in der Wiener Innenstadt, auch wenn die Bürofläche aufgrund geringeren Platzbedarfs redimensioniert wurde. Mittlerweile verbringt Alexander Maculan wieder einen großen Teil seiner beruflichen Tätigkeit im Osten, der Inhalt seiner Geschäftsaktivitäten hat sich aber geändert.

Der einstige Bauindustrielle konzentriert sich heute auf das Baustoffgeschäft, betätigt sich als Investor und Hotelier und ist neuerdings in Wien als Mitinhaber des legendären Cafe Drechsler sogar Cafetier geworden.

Geschäftstätigkeit gemeinsam mit Leitl

Die größten Projekten setzt Maculan im ihm aus früheren Zeiten sehr gut bekannten Gebiet der ehemaligen Sowjetunion um. Die Produktionskapazitäten eines russischen Dämmstoffwerkes, das er gemeinsam mit WKÖ-Chef Christoph Leitl 2005 erworben hatte, wurden 2010 erweitert. Sieben Prozent Marktanteil und Position drei am wichtigen russischen Markt rechtfertigten diese 50 Millionen Euro-Investition. Mit einem anderen nicht ganz ungewichtigen Geschäftsfreund, Ludwig Scharinger, seines Zeichens Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hat Alexander Maculan schon manche gemeinsame Sache gemacht.

Die Raiffeisenlandesbank hat sich mit Maculan an zwei Betrieben in Tamow beteiligt. Das eine Unternehmen ist ein riesiger Holzverarbeitungsbetrieb. Beim anderen handelt es sich um einen Produktionsbetrieb zur Erzeugung von Mineralwolle für Dämmstoffe.

Maculan investiert in Projekt Kiew Airport

2008 investierte Alexander Maculan mit einer Gruppe heimischer Unternehmer, darunter der oberösterreichischen Schotter-Familie Asamer, in ein gigantisches Immobilienprojekt in der Ukraine. Maculan übernahm dabei die Projektabwicklung und ist selbst mit einigen Prozent beteiligt. 600 Millionen Euro beträgt das Investment für das Kiew Airport Center. Das liegt gut dreißig Kilometer östlich des Stadt­zentrums und ist durch eine brandneue Autobahn mit der City verbunden.

Rechtzeitig für die Fußballeuropameisterschaft 2012 soll das Projekt fertig gestellt sein. Geplant sind ein Dreisterne- sowie ein Fünfsterne-Hotel, die später von internationalen Hotelketten betrieben werden sollen. Außerdem sollen 14.400 Quadratmeter Shoppingcenter und 130.000 Quadratmeter Bürofläche errichtet werden. Die in der Ukraine unausweichlichen Genehmigungsprobleme brachten dem Projekt jedoch schon beträchtliche Verzögerungen ein. Die Investorengruppe hofft 2011 wenigstens den Bau eines Hotels zu starten.

Im Zentrum von Kiew an einer prominenten Einkaufsstraße befindet sich das „Maculan-Haus“, das sogar in der Alltagssprache der Ukrainer so genannt wird. 1992 errichtete er das Bürohaus, das heute Raiffeisen gehört. Es war das erste Officegebäude, das von Ausländern gebaut wurde.

Holz-Fertighäuser für den russischen Mittelstand

Als aktuellstes Projekt plant Alexander Maculan mit der Isoroc Holding AG in der Nähe der südrussischen Regionshauptstadt Krasnodar die Errichtung einer Wohnsiedlung aus 335 Holz-Fertighäusern "für den gehobenen Mittelstand". Im Vorstand des Unternehmens sitzt neben Maculan auch Stefan Leitl, Sohn von Christoph Leitl, der seinerseits mit den beiden Söhnen von Hans Asamer und mit Gerhard Wildmoser die Aufsichtsratsagenden wahrnimmt. 15 Häuser zum Stückpreis von rund 100.000 Euro seien bereits verkauft, berichtete Maculan. "Es liegt auf unserer Unternehmenslinie, nicht Häuser für Millionäre zu bauen, sondern für die breite Masse", sagte Maculan.

In Österreich habe es einige Zweifler gegeben, doch RLB-OÖ-Chef Ludwig Scharinger habe sofort zugesagt, das Projekt "Grünes Ufer" zu unterstützen - darum wird es auch eine "Ludwig-Scharinger-Straße" geben. Die Häuser sollen zwischen 2010 und 2013 in drei Bauetappen errichtet werden. Mit dieser prominenten Unterstützung sollte dies auch gelingen.

(Red.)