Aufgeräumtes Bürgerfernsehen

Im „Bürgerforum“ zum Thema „Türken – ewige Außenseiter“ gelang eine konstruktive Diskussion. Ansatzweise.

Es war ein dichtes Programm, das sich Peter Resetarits und Münire Inam für ihr zweistündiges „Bürgerforum“ zum Thema „Türken – ewige Außenseiter“ vorgenommen hatten: 300 Bürger mit Sprecherlaubnis im Studio, dazu fünf Parlamentspolitiker, die jeweils nicht länger als eine Minute auf Fragen aus dem Publikum reagieren durften, zugespielte Beiträge, Umfrageergebnisse. Noch mehr wäre wirklich nicht gegangen. Auch wenn der ORF mehr wollte: Thilo Sarrazin und der türkische Botschafter in Wien waren eingeladen. Beide sagten ab.

Freilich, eine echte Diskussion ist unter solchen Bedingungen nahezu unmöglich. Der Zeitdruck war den Moderatoren anzumerken, wobei es ihnen gelang, die Wortmeldungen der Gäste sanft, aber bestimmt zu unterbrechen. Egal, von welcher Seite sie kamen. Ihnen ist auch zu verdanken, dass die Emotionen kein einziges Mal jene aggressive Stufe erreichten wie in dem Beitrag über das Zusammenleben zwischen Migranten erster, zweiter, dritter Generation („Wir sind Österreicher. Wir geben unsere Kraft in Österreich.“) und Urösterreichern im Gemeindebau („Geht's zurück in die Tschuschei.“). Und wie oft kommt es im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor, dass eine junge Türkin mit Kopftuch mit Heinz-Christian Strache Wortgefechte führt?

Das Spektrum der geladenen Gäste war breit: Der studierte Migrant zweiter Generation, der in Österreich kaum Jobchancen hat. Der sehr bekannte türkische Schauspieler, der in Österreich lebt. Die Hausbesorgerin, die erklärt: „Die Türken machen die Nacht zum Tag.“ Nicht alle Wortmeldungen waren konstruktiv – aber gerade die „Bürger“ haben die Sendung kurzweilig gemacht, was auch die überraschend gute Quote von 900.000 Zusehern zeigte. Und letztlich sind die Moderatoren, die selbst kroatische und türkische Wurzeln haben, das beste Beispiel für gelungene Integration.

E-Mails: anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2011)

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