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Urteil gegen CPB: "Grob schuldhafte Fehlberatung"

(c) APA (GEORG HOCHMUTH)
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Ein geschädigter Anleger hat nun gegen die ehemalige Constantia Privatbank (CPB) ein weiteres richtungsweisendes Urteil erwirkt: Die Bank habe verabsäumt, im bestmöglichen Interesse des Kunden zu handeln.

Wien. Die Buwog-Affäre sorgt fast täglich für Schlagzeilen, schließlich garantiert der involvierte Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser Publicity. In dem schon fast vergessenen viel größeren Kriminalfall rund um den Zusammenbruch der Constantia Privatbank (CPB) hat ein geschädigter Anleger nun ein weiteres richtungsweisendes Urteil erwirkt. Die inzwischen geteilte und verkaufte CPB, die in Malversationen mit Immofinanz- und Immoeastaktien verstrickt war, muss einem Anleger wegen „rechtswidriger und grob schuldhafter Fehlberatung“ Schadenersatz zahlen.

Die CPB hat einst Immofinanz und Immoeast gemanagt, selbst Aktien der beiden Firmen aufgekauft und damit den Kurs nach oben getrieben. Der Bestand hatte ein Volumen von knapp einer Mrd. Euro – ein Vielfaches des Eigenkapitals der Bank. Dann kam die Finanzkrise, die Kurse stürzten ab.

 

Zum Halten der Aktien geraten

Im Urteil des Handelsgerichts Wien, das der „Presse“ vorliegt, heißt es, dass die CPB-Spitze schon im August 2007 gewusst habe, dass die Kursverluste dauerhaft wären. In Sorge um die Existenz der Bank und der Immo-Töchter seien jedoch sogar gegenüber der Finanzmarktaufsicht ein Investor fingiert und falsche Angaben gemacht worden. Als die Malversationen 2008 publik wurden, rasselte der Kurs um 95 Prozent hinunter.

Schon im Herbst 2007 wollten viele Anleger aussteigen – auch der Kläger, der durch die Kanzlei Kerres Partners vertreten wird. Die CPB, konkret der für den Wertpapierbereich zuständige Vorstand Karl Arco, riet jedoch, die Aktien zu halten. Es handle sich um vorübergehende Kursschwankungen.

Dazu das Gericht: Der Verlust sei nicht auf die Subprime-Krise zurückzuführen, sondern auf verbotene Transaktionen zwischen CPB, Immofinanz und Immoeast. Die Subprime-Krise habe die Negativentwicklung nur beschleunigt und potenziert. Dem Gericht zufolge muss eine Bank laut Wertpapieraufsichtsgesetz „bei der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen ehrlich, redlich und professionell im bestmöglichen Interesse des Kunden“ handeln. Das habe die Bank nicht gemacht. Sie habe auch verabsäumt, relevante Informationen offenzulegen, damit der Kunde eine fundierte Anlageentscheidung treffen könne.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Anwalt Christoph Kerres verweist jedoch darauf, dass das Handelsgericht in einem anderen ähnlichen Verfahren auch ein Urteil gegen die Bank ausgesprochen hat und dies vom Oberlandesgericht Wien bestätigt worden ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2011)