Nachruf

West Wien: Niedergang einer Handball-Hochkultur

West Wien hat genug, man stellt die Abwehrarbeit in der Liga ein.GEPA pictures
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Mit Saisonende stellt der Handballklub den Meisterschaftsbetrieb ein. Der Rückzug kennt viele Gründe. Es ist ein Mix aus fehlendem Rückhalt der SPÖ-Sportpolitik, jahrzehntelanger Hallensuche, steigenden Kosten, Corona und der Aussichtslosigkeit einer Randsportart.

Handball-Traditionsverein West-Wien stellt mit Saisonende den Spielbetrieb in der HLA-Meisterschaft ein. Das Gründungsmitglied kann nicht mehr, es zwickt im Budget, manch Sponsor ist abgesprungen, es fehlt die nötige Hilfe der Stadt, der 1946 gegründete Klub hat keine eigene Halle und damit ohne Vermarktungsmöglichkeiten fortlaufend steigende Nebenkosten.

Der fünffache Meister (zuletzt 1993), zweimalige Cupsieger, Champions-League-Vierte 1994 (Trainer Vinko Kandija) und aktuell Tabellenzweite zieht sich zurück, will aber laut Geschäftsführer Conny Wilcynski seine Nachwuchsarbeit weiterführen.

Das sei man Talenten, Kindern und Grün-Weiß schuldig, sagt der 41-Jährige und 136-fache Teamspieler. Ist eine Rückkehr denkbar, ein Umdenken jetzt, in höchster Not? „Nein, unser Hilfeschrei ist eineinhalb Jahre alt. Sport in Österreich gelingt ohne die Hilfe der Politik nicht. Rein aus privater Hand finanzieren kann es nur Red Bull. Und wir? Wir sind jedem in Wien beinahe wurscht.“


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