Geldpolitik

Türkische Zentralbank lässt Leitzins unverändert bei 8,5 Prozent

Im Februar hatten die Währungshüter nach dem schweren Erdbeben im Südosten des Landes ihre Geldpolitik kurzzeitig gelockert.

Die türkische Zentralbank hat ihren Leitzins nach dem verheerenden Erdbeben nicht weiter gesenkt. Er werde bei 8,5 Prozent belassen, teilten die Währungshüter am Donnerstag mit. Im Februar hatten sie kurz nach dem schweren Erdbeben im Südosten des Landes ihre Geldpolitik gelockert und den Leitzins von 9,0 auf das aktuelle Niveau von 8,5 Prozent gedrückt.

"Um die Wachstumsdynamik der Industrieproduktion und den positiven Trend bei der Beschäftigung nach dem Erdbeben aufrechtzuerhalten, ist es noch wichtiger geworden, die finanziellen Bedingungen günstig zu halten", hieß es nun.

"Zinsfeind" Erdogan drängt Notenbank zu Zinssenkung

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen gehen davon aus, dass die Zinsen im Jahresverlauf angesichts der starken Inflation steigen dürften. Allerdings dürfte der Zinskurs auch vom Ergebnis der für den 14. Mai angesetzten Wahlen abhängen. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich wiederholt als "Zinsfeind" bezeichnet und die Notenbank dazu gedrängt, ihre Zinsen zu senken. Im vergangenen Jahr senkte die Zentralbank ihren Leitzins in mehreren Schritten von 14,0 auf 9,0 Prozent, um dem Konjunkturabschwung entgegenzuwirken. Die meisten Ökonomen halten das aber für das falsche Rezept angesichts einer Inflationsrate von zeitweise 85 Prozent. Im vergangenen Monat lag sie noch bei 55 Prozent.

Im vergangenen Monat hatte die Bank den Leitzins um weitere 0,5 Prozentpunkte gesenkt, um die Industrieproduktion und die Beschäftigung anzukurbeln, nachdem die Erdbeben mehr als 50.000 Menschen getötet und Millionen obdachlos gemacht hatten. Wirtschaftsverbände und Ökonomen haben erklärt, dass der Wiederaufbau von Wohnungen und Infrastruktur bis zu 100 Milliarden Dollar kosten könnte. Das Wirtschaftswachstum dürfte durch die Katastrophe in diesem Jahr um ein bis zwei Prozentpunkte geschmälert werden.

"Die Auswirkungen des Erdbebens auf die Produktion, den Verbrauch, die Beschäftigung und die Erwartungen werden derzeit eingehend untersucht", betonte die Notenbank nun. "Es wird erwartet, dass das Erdbeben zwar kurzfristig die Wirtschaftstätigkeit beeinträchtigen wird, mittelfristig aber keine dauerhaften Auswirkungen auf die Leistung der türkischen Wirtschaft haben wird."

(APA)

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