Klassik

"Freischütz" im Theater an der Wien: Oper als Mattscheibe

(c) © William Minke
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Regisseur David Marton will Carl Maria von Webers „Freischütz“ aus Sicht der Agathe filmisch erzählen – und erzeugt damit in erster Linie Langeweile. Musikalisch passte man sich der Misere leider weitgehend an.

Zur Pause haben nicht wenige die Flucht ergriffen. Da war der Vorhang gerade über der Wolfsschlucht gefallen – hier eine Dunkelkammer im Rotlicht, in der Kaspar halb Alchemie, halb Fotolabortechnik treibt. Wobei Agathe das Ganze ohnehin nur träumen dürfte. Jene Agathe, die zugleich auch Ännchen ist: Zwei Seelen wohnen, ach!, nicht etwa in der Brust des faustischen Max, sondern in der seiner Braut, eine diesseitig heitere und eine melancholisch entrückte.

All das und mehr bekommt man freilich nicht etwa direkt auf der Bühne vorgesetzt, sondern den ganzen, lähmend zähen Abend über nur indirekt: als Übertragung und Überblendung verschiedener wackeliger Live-Videos und vorgefertigtem Material mit vielen Großaufnahmen, meist im Halbdunkel. Diese werden auf einen Portalschleier projiziert, hinter dem nur Schemen zwergenhafter Protagonisten wahrnehmbar sind: Oper als Mattscheibe. Was vermeintlich Menschen, Schicksale heranzoomt, rückt sie in weite Ferne. Zum Teil auch akustisch.

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