Immobilieninvestments

"Stillstandsmentalität": Käufer und Verkäufer in der Findungsphase

Wien ist immer noch Spitzenreiter bei (Wohn-)Investments, auch wenn Preisfindungen derzeit länger dauern.
Wien ist immer noch Spitzenreiter bei (Wohn-)Investments, auch wenn Preisfindungen derzeit länger dauern.Getty Images
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In Österreich bewegt sich der Investmentmarkt für Immobilien heuer nur schleppend. Gründe dafür sind neben Finanzierungsproblemen auch attraktive Alternativen für Investoren wie Anleihen oder Festgeld.

Wenig geschmeidig läuft es derzeit auf dem österreichischen Investmentmarkt. Dabei sah es 2022 noch ganz anders aus: Vier Milliarden Euro wurden laut aktuellem Marktbericht von Otto Immobilien investiert. Wohnen stand aufgrund einiger großvolumiger Verkäufe mit einem Anteil von rund 40 Prozent am Transaktionsvolumen zum dritten Mal an erster Stelle der Assetklassen. „Dahinter folgten Büros mit einem Anteil von 27 Prozent des Volumens“, erklärt Christoph Lukaschek, Leiter Investment bei Otto Immobilien. An dritter Stelle: die Assetklassen Logistik und Industrie. Diese Immobilien wären laut Experten zwar weiterhin gefragt, starke Konkurrenz und Finanzierungsprobleme bringen den Markt aber ins Stocken. „Die deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen bedeuten sowohl höhere Finanzierungskosten als auch attraktivere Renditen bei Alternativinvestments“, erklärt Johannes Endl, Vorstand und Fachbereichsleiter Investment der Örag.

Steigende Zinsen verbreiten große Unsicherheit

Festgeld oder Anleihen versprechen aktuell höhere Renditen als Immobilien und ziehen das Geld aus dem Markt. Den anderen wesentlichen Punkt erklärt Christoph Urbanek, Rechtsanwalt und Partner bei der Wirtschaftskanzlei Schindler Attorneys: „Die Finanzierung ist in den Mittelpunkt gerückt, extrem komplex geworden – außerdem ist die Unsicherheit zu groß.“ Dies betrifft vor allem die Unabwägbarkeit der steigenden Zinsen. Erst mit mehr Sicherheit „wird sich die Situation beruhigen, und wir werden mehr Transaktionen sehen“, ist Lukaschek überzeugt.

Der Markt werde sich bei anderen Preisen und Renditen sicherlich neu finden. „Derzeit passen die Preisvorstellungen von Kaufinteressenten und Verkäufern oft nicht zusammen“, sagt Endl. Von einem neuen Preisniveau ist man noch weit entfernt. Wie lang die Annäherung zwischen den Vertragsparteien brauchen wird, ist nicht sicher. „Es dauert, bis wir uns wieder finden. Ursprünglich habe ich angenommen, es wird nach dem ersten Quartal 2023 sein“, sagt Urbanek, „aber jetzt blicken wir doch weiter in die Zukunft.“ Sogar von 2024 ist die Rede. Die unerwarteten Veränderungen „befeuern die Stillstandsmentalität“. Urbanek: „Ich kann nicht sagen, wohin es gehen wird, aber nicht so schnell, wie anfangs gedacht.“


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