Dividendenaktien sind auch für konservativere Anleger interessant. In der Vergangenheit hätte man damit hohe Gewinne gemacht, denn die Dividendenstrategie hat sich vor allem in Krisenzeiten sehr gut bewährt.
Wien. Auf dem Sparbuch sind die Zinsen derzeit so gering, dass das Geld durch die Inflation verbrannt wird. Für jene Anleger, die auf der Suche nach höheren Renditen sind, bieten sich etwa solide, dividendenstarke Aktien an. Einige Dividendenstrategien sind dabei sehr vielversprechend, wie die folgende Analyse verdeutlicht.
•Dogs of the ATX. Bei dieser Strategie kauft man einfach zu Jahresbeginn die fünf ATX-Aktien mit der höchsten Dividendenrendite und behält sie ein Jahr im Depot. Diese Dividendenstrategie wurde vom US-Finanzgenie Benjamin Graham in den 1930er-Jahren entwickelt. Er investierte jährlich in die zehn dividendenstärksten Aktien des US-Indexes Dow Jones. Daher ist die Strategie besser bekannt als „Dogs of the Dow“.
In den vergangenen fünf Jahren wäre man im ATX mit dieser Methode gut gefahren. Hätte man Anfang 2006 einen Betrag von 10.000 Euro in die „Dogs of the ATX“-Strategie investiert und sie jährlich verfolgt, wären heute mehr als 16.400 Euro auf dem Depot – das entspricht einer jährlichen Rendite von über 12 Prozent. Hätte man zur gleichen Zeit den gesamten ATX abgebildet und die Dividenden kassiert, stünde man heute mit einem Verlust von 8,5 Prozent da. (siehe Grafik, Anm.)
Die Geschichte zeigt, dass sich diese Dividendenstrategie vor allem in Krisenzeiten bewährt. Bester Beweis ist die kürzlich Finanzkrise: 2007 machte man mit den „Dogs“ mehr als zehn Prozent Gewinn, während der ATX nur minimal im Plus lag. Im Katastrophenjahr hätte man mit Dividendenaktien den Einbruch deutlich abgefedert. Während der ATX um fast 60Prozent einbrach, lagen die „Dogs“ nur mit 29Prozent im Minus.
•Dividendenjäger-Strategie.Dabei kauft man eine Aktie einige Monate vor dem sogenannten Ex-Tag (jenem Tag, bis zu dem man eine Aktie erwerben muss, um Anspruch auf die Dividende zu haben). Man hofft auf einen Kursanstieg und steigt wenige Tage vor dem Ex-Tag aus. Der Ausstieg erfolgt deswegen noch vor dem Ex-Tag, weil danach der Aktienkurs naturgemäß nach unten geht, die Aktie wird danach nämlich ohne Dividendenanspruch gehandelt.
Warum man auf einen Kursanstieg vor der Ausschüttung hoffen kann? Viele Investoren sind Dividendenjäger, die sich vor dem Ex-Tag mit dividendenstarken Aktien eindecken und somit den Kurs in die Höhe treiben. Außerdem erstellen viele Medien vor der Dividendensaison Rankings über attraktive Dividendenwerte. Das bringt den Aktien Publicity und damit mehr Käufer. Die „Dividendenjäger“-Strategie gilt als riskanter, hätte in den vergangenen fünf Jahren aber eine saftige Rendite gebracht, nämlich 18 Prozent jährlich. Bei dieser Berechnung wären die dividendenstärksten ATX-Aktien vier Monate vor dem Ex-Tag gekauft und zwei Tage davor wieder abgestoßen worden.
•Einzelwerte herauspicken. Im ATX haben Telekom Austria, Post, Flughafen Wien, OMV und EVN die höchsten prognostizierten Dividendenrenditen. Es kommt aber nicht nur darauf an. Wichtig ist auch die Fähigkeit einer Firma, die Gewinne laufend zu erhöhen und damit höhere Ausschüttungen an die Aktionäre zu ermöglichen.
Im ATX verbergen sich dabei einige Perlen. Der Gummispezialist Semperit erfüllt die wichtigsten Kriterien für ein Dividenden-Investment. (siehe Tipps oben, Anm.) Semperit kann die Gewinne und auch die Dividenden seit Jahren erhöhen. Das Geschäftsmodell mit der Produktion von speziellen Gummihandschuhen ist solide und gut abgesichert. Somit winken auch in den kommenden Jahren Gewinnsteigerungen.
Die Dividendenrendite von drei Prozent ist ordentlich. Die Eigenkapitalquote liegt bei über 50Prozent. Der Cashflow (Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben) ist mit 80Mio. Euro (abhängig von der Definition) hoch. Das heißt, die Firma wird die Dividendenzahlung, die im vergangenen Jahr etwa 24Mio. Euro ausmachte, locker aus dem operativen Geschäft bezahlen können.
Bei Investments in dividendenstarke Aktien sollte man nicht nur auf die Höhe der Dividendenrendite schauen. Andere Kriterien sind genauso wichtig.
Tipp 1
Dividendenhistorie. Attraktiv sind Aktien, bei der die jährlichen Dividenden seit einem längeren Zeitraum stetig steigen. Das zeigt, dass das Unternehmen ein verlässlicher Dividendenzahler ist. Die Dividenden sollten dabei aber von den erzielten Gewinnen bezahlt werden – und nicht aus der Substanz.
Tipp 2
Ausschüttungsquote. Die Quote zeigt an, wie viel des Gewinns an Dividenden ausgegeben wird (Dividende pro Aktie/Gewinn pro Aktie). Schüttet das Unternehmen den gesamten Gewinn aus, gibt es keinen Spielraum, die Dividenden über eine höhere Ausschüttungsquote gleich zu halten, wenn der Gewinn einmal fallen sollte.
Tipp 3
Wichtige Kennzahlen. Wenn die Eigenkapitalquote hoch ist (etwa über 30 Prozent), könnte die Firma womöglich auch in schlechten Jahren eine Dividende aus den freien Gewinnrücklagen zahlen. Ein hoher Cashflow zeigt an, dass das Unternehmen viel Geld aus dem operativen Geschäft für die Ausschüttung einer Dividende zur Verfügung hat.
Tipp 4
Dividendenrendite. Sie stellt die Verzinsung einer Aktie dar (Dividende pro Aktie/Aktienkurs). Oftmals wird sie aufgrund der zuletzt ausgezahlten Dividende berechnet. Wichtiger ist aber die Dividendenrendite anhand der prognostizierten zukünftigen Dividende. Dieser Wert sagt mehr über das Potenzial der Aktie aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2011)