Gabriele Lutter, seit 2008 Chefin des ÖBB-Personenverkehrs, stand schon länge Zeit auf der "Abschussliste" von ÖBB-Chef Christian Kern. Das Chaos um die Gültigkeit von Bahntickets besiegelte nun ihren Abgang.
Wien/Kor. Gabriele Lutter, seit 2008 Chefin des ÖBB-Personenverkehrs, verlässt die Bundesbahnen. Lutter gab gestern bekannt, dass sie für eine Verlängerung ihres Vertrages, der Ende 2011 ausläuft, „nicht mehr zur Verfügung“ steht.
Ein ungewöhnlich früher Zeitpunkt für die Bekanntgabe. Dennoch kommt die Meldung nicht überraschend: „Die Presse“ hat bereits Ende November von einem bevorstehenden Köpferollen in den Vorstandsetagen von ÖBB-Tochtergesellschaften berichtet. Damals gingen die zwei Vorstände des ÖBB-Güterverkehrs, Friedrich Macher und Günther Riessland, sofort. Mitte Dezember wurde offiziell, dass Personenverkehrs-Vorstand Werner Kovarik per März 2011 das Unternehmen verlässt.
Bei der geplanten Verabschiedung Lutters hakte es allerdings zunächst. Zwar soll ÖBB-Chef Christian Kern schon seit Monaten von Lutters Führungsqualitäten ganz und gar nicht überzeugt gewesen sein – allerdings soll die Managerin mit ÖBB-Aufsichtsratspräsident Horst Pöchhacker einen gewichtigen Fürsprecher haben.
Die Ereignisse in den Weihnachtsferien sollen Lutters Schicksal schließlich besiegelt haben: Da hatten die ÖBB ohne Ankündigung mit dem Winterfahrplan die Bestimmungen für die Gültigkeitsdauer von Tickets verändert. Die Fahrgäste tobten – ebenso die ÖBB-Spitze: Die Personenverkehrs AG hatte die Neuerungen im Alleingang durchgeführt. Zudem weilte Lutter auf Urlaub im fernen Ausland.
Ob Gabriele Lutter ihren Vertrag noch bis Jahresende erfüllen wird, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. Diese Woche haben die ÖBB jedenfalls den Posten eines Personenverkehr-Finanzvorstandes ausgeschrieben. Die dann auserkorene Person wird wohl auch gleich die Führungsrolle in der ÖBB-Tochtergesellschaft übernehmen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2011)