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Was ist ein ... Supercomputer bei Jeopardy?

(c) AP (Seth Wenig)
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Wie Deep Blue einst Schachweltmeister Kasparov entthront hat, soll nun der IBM-Rechner Watson einen weiteren Meilenstein setzen und in einer Quizshow antreten. Seine Gegner werden zwei erprobte Veteranen sein.

Watson ist der Name eines Supercomputers, der bald um einige tausend Dollar reicher sein könnte – sofern er in der für Februar angesetzten Sonderfolge von „Jeopardy“ seinen Erfolg aus den Testläufen wiederholen kann. Wie die „New York Times“ berichtet, tritt der von IBM gebaute und nach dem Firmengründer benannte Superrechner Mitte Februar in der amerikanischen Quizshow, die bei uns als „Risiko“ bekannt geworden ist, an. Seine Gegner werden zwei Veteranen sein, die sich bereits zigmal in der Rateshow behauptet haben. In Testrunden in einem von IBM nachgebauten Jeopardy-Set hat er versierte menschliche Gegner mehrmals geschlagen.

 

Viele Wege führen zum Ziel

Bei der Beantwortung der Fragen arbeiten 2880 Prozessorkerne eine Vielzahl verschiedener Algorithmen gleichzeitig ab, um nach möglichen Lösungen zu suchen und sie zu bewerten. Das kommt laut den beteiligten Forschern dem menschlichen Denkprozess näher als ein einziges Schema. Watson greift dabei auf eine 15 Terabyte große Datenbank zu, die mit Enzyklopädien und Texten aller Art gefüllt ist, sodass der Computer Zusammenhänge erkennen kann. Zugang zum Internet hat Watson – wie alle anderen Kandidaten – keinen.

Der Erfolg des Computers ist insofern bemerkenswert, als die Fragen, auf die mit „Was ist ein ...“ geantwortet werden muss, in gewöhnlicher Alltagssprache und sogar in Form komplizierter Umschreibungen oder Wortspiele gestellt werden. Zwar reicht ein Sieg in einer Quizshow noch nicht, um Watson „echte“ Intelligenz zuzuschreiben. Es ist aber immerhin ein Schritt in Richtung bestandenen Turing-Tests – des vom Informatikpionier Alan Turing vorgeschlagenen Kriteriums, wonach die Intelligenz eines Computers dann mit der eines Menschen verglichen werden kann, wenn er in einer Konversation nicht von einem menschlichen Gesprächspartner zu unterscheiden ist. Im Gegensatz zu Filmcomputern wie HAL 9000 aus „Odyssee 2001“ – dessen Buchstaben angeblich nur zufällig im Alphabet jeweils direkt vor „IBM“ liegen – ist Watson nicht zu Emotionen fähig. Über den Gewinn aus Jeopardy könnte er sich ohnehin nicht freuen – IBM hat angekündigt, das in der echten Show Mitte Februar erspielte Geld einem gemeinnützigen Zweck zu spenden.

In Zukunft will IBM an Watsons Nachfolgern aber durchaus verdienen. Kommerzielle Anwendungen sind etwa bei Hotlines, Auskunftssystemen oder in der Notfallmedizin angedacht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2011)