Hausgeschichte

Hernals: Tetris bei den (Vorstadt-)Hühnern

Wo einst Kaffeemühlen fabriziert und etwas später getischlert wurde, finden sich heute im Coworking-Space Musiker und Kreative ein: mitten im 17. Wiener Bezirk.

Patricia Ziegler öffnet die Tür zu ihrem vor einiger Zeit gegründeten Büroraum in der Hormayrgasse 53 im 17. Wiener Bezirk. Ihr Arbeitsweg ist relativ kurz: Die Jungunternehmerin muss nicht einmal woanders hinfahren, um von ihrer etwa 130 Quadratmeter großen Maisonettewohnung in die ehemalige Fabrikshalle des historischen Gebäudekomplexes zu gelangen. Durch den Innenhof erreichbar, geht es direkt vorbei am (genehmigten) Hühnerstall samt Federvieh sowie dem sogleich gegenüberliegenden, kleinen (Gold-)Fischteich mit davorsitzender Wassernixe.

Von Menschen und Mühlen mitten in Hernals

(c) Christopher Dickie
(c) Christopher Dickie

Wo um die Jahrhundertwende von der Firma Ignaz Hauts hauptsächlich Kaffeemühlen hergestellt wurden, befindet sich nun der Coworking-Space von Ziegler auf knapp 200 Quadratmetern: „The Nest“ ist ein „Arbeitsort für Leute aus der Kreativ- und Musikbranche“, erzählt die selbst als DJane sowie Indiepop-Musikern tätige Hernalserin. An die Fabrik erinnere lediglich ein Turm im Hof, in dem sich früher ein Lastenaufzug befand. Auf einem alten Kupferstich der sich mit vielen, kleinen Fotografien an einer der Bürowände im Erdgeschoß hängt, ist das Gebäude in seiner Ursprungsform zu erkennen. Der einstige Vorort von Wien zählt(e) zu den typischen Arbeiterbezirken Stadt: „Mietskasernen“ prägten das Stadtbild. „Und vor knapp 100 Jahren kaufte dann mein Opa das damals bereits schon sehr in die Jahre gekommene Biedermeierhaus mitsamt der Fabrik und zog mit seiner Tischlerei hier ein“, erzählt Ziegler, deren Familie das obere Geschoß des Altbestands bewohnt. Bevor die Werksflächen zur Arbeitstätte für Coworker wurde, gab es eine Druckerei am Standort. Ziegler erinnert sich sogar noch an die Geräusche der Druckmaschinen, die bis hinauf in den Wohnbereich der Familie zu hören waren.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Hausgeschichte

Das magische „Ausnahmehäusl“ von Pyhra

Ursprünglich wollte Josef Gerstl sein Geburtshaus in Pyhra in Niederösterreich abreißen. Doch das 450 Jahre alte Gemäuer wurde zu einem Ferienhaus der besonderen Art.
Der neue Altar aus Epoxitharz nimmt das Licht auf, bricht es und gibt es weiter.
Dominikanerkirche

Wiens erste frühbarocke Kirche erstrahlt in neuem Glanz

Nach der Renovierung: Wie aus dem „dunklen, dreckigen Ort“ eine „bildgewordene Theologie“ wurde.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.