Kampf der Kulturen: Bob Dylan oder Alphaville?

Kampf Kulturen Dylan oder
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Geburtstagsvorbereitungen bringen es mit sich, essenzielle Fragen aufzuwerfen.

May God bless and keep you always. Welcher Songwriter hätte heute den Mut, einen derartigen Satz zu schreiben? (Teilnehmer an katholischen Songfestivals, so es die denn gibt, natürlich ausgenommen). Bob Dylan, echte Fans wissen es längst, hat genau das in einem seiner besten Songs getan. Und er hat ihn, es muss 1997 gewesen sein, sogar vor einem weltweit noch viel bekannteren damaligen Popstar der Moderne gesungen, für – nie werden Sie es erraten – Karol Wojtyla, der mit dem weißen Gewand auch den Namen Johannes Paul II. angenommen hat. Was manche Dylan nie verziehen haben. Und manche haben Johannes Paul II. die Begegnung nicht verziehen. Denn der damalige Kardinal Joseph Ratzinger, der den Auftritt mit ansehen und -hören musste, soll not amused gewesen sein. Ob das der Grund dafür war, dass das Seligsprechungsverfahren für Johannes Paul II. lange ins Stocken geraten war, das nun wie ein Wunder doch noch abgeschlossen wurde? Die vatikanischen Archive werden das päpstliche Geheimnis wohl frühestens in 100 Jahren preisgeben. Aber wir schweifen ab.

Mit den zitierten Textzeilen beginnt die Hymne Forever Young. Ein paar Jahre später sollte die deutsche Formation Alphaville denselben Titel wählen. Aber deren Text ist auf eine dem Thema des Älter-und-doch-nicht-alt-Werdens völlig unadäquate Weise vieldeutig. Das Thema ist ewig jung. Gerade dieser Tage, da sich unter den Mitgliedern der Redaktion Ihrer Lieblingszeitung die 0er-Geburtstage häufen. Möglicherweise sieht man sich ja heute Abend. Wo? Bei einer Forever-young-Party.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2011)

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