Amanshausers Album

Gestrandet am Flughafen: Wann bekommt man sein Geld zurück?

Anschluss verpasst?
Anschluss verpasst? Erik Odin/Unsplash
  • Drucken

Warum ist der Entschädigungsablauf mancher Billigairline so mühsam?

Oft denke ich an Ryanair. Nicht nur beruflich, auch privat: Vergangenes Jahr hatte einer meiner Flüge sechs Stunden Verspätung. Ich verpasste den Anschluss und stand hilflos auf einem norditalienischen Flughafen, ohne ­Weiterreise-Option am selben Tag. Ich fuhr zum Bahnhof. Der Preis des Nachtzugs war gesalzen, aber immerhin kam ich heim.
Laut der EU-Fluggastverordnung 261/2004 können Reisende ab einer Verspätung von mehr als drei Stunden ihre Ansprüche geltend machen. Neben dem Recht auf Ticketpreis-Rückerstattung haben sie Anspruch auf eine Ausgleichszahlung zwischen 250 und 600 Euro. Auf Ryanairs Website informiert der Link „EU261“ korrekt darüber, ein ­Entschädigungsformular öffnet sich.

Man gibt dort all seine Daten ein, lädt allerlei Scans hoch, und es klappt! Die nehmen einen ernst! Beim allerletzten Schritt stürzt das Formular leider ab. Nach einigen erfolglosen Versuchen mit dem gleichen Resultat ergoogle ich: Viele Kunden machen exakt meine Erfahrung. Auf mein recht entschlossenes Mail antwortet Ryanair spät und unverdrossen freundlich, übersät mich aber mit einer Flut unbeantwortbarer Fragen und Zusatzlinks. Ich antworte ernsthaft. Sie gegenantworten mit weiteren Nebelgranaten und Verwirrungserklärungen. Erschöpft gebe ich auf. Eines Tages werde ich vielleicht versuchen, mit Hilfe der Websites Fairplane oder Flightright zu meinem Recht zu kommen. Ich sammle seit Monaten Kraft für den Antrag.

Daran musste ich jedenfalls denken, als ich jüngst las, dass eine Ex-Tourismusministerin zu Ryanair wechselt. Genauer gesagt gab sie im Jubelton bekannt, dass sie ihre „Expertise und ­Leidenschaft für das Wachstum der europäischen Tourismusbranche im Aufsichtsrat von Ryanair einbringen“ wolle. Toll, eine Österreicherin! Sollte ich vielleicht Kontakt zu ihr ­aufnehmen? Die würde einem Landsmann doch bestimmt bereitwillig helfen? Obwohl, ihr Engagement erinnerte mich dann doch ein bisschen an die Variation des „Den Bock zum Gärtner machen“-Prinzips. Sie war ja früher auch Umwelt­ministerin. 

("Die Presse Schaufenster" vom 31.03.23)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.