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Sieg in Kitzbühel: Cuche, der Mann der Rekorde

Sieg Kitzbuehel Cuche Mann
Cuche(c) AP (Alessandro Trovati)
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Der 36-jährige Schweizer Didier Cuche egalisierte Franz Klammers Kitzbühel-Bestmarke, holte seinen vierten Streif-Sieg vor 45.000 Zuschauern in beeindruckender Manier. Die Österreicher verpassten einen Podestplatz.

Als er das erste Mal im Starthaus von Kitzbühel stand, da wurde er noch vor Angst gebeutelt. „Ich hatte richtig Schiss“, gibt Didier Cuche heute zu, wenn er sich an das Jahr 1996 erinnert. 15 Jahre später steht der 36-jährige Schweizer als großer Streif-Dominator da. Der Neuenburger triumphierte gestern beim 71. Hahnenkammrennen zum bereits vierten Mal nach 1998, 2008 und 2010, egalisierte damit den Kitzbühel-Rekord von Franz Klammer. Obendrein ist das Kraftpaket wieder der älteste Abfahrts- und Weltcupsieger. Zwischenzeitlich hat Michael Walchhofer diesen inoffiziellen Titel für sich verbuchen können. Der Salzburger kam diesmal nicht ins Ziel, blieb aber trotz Sturzes unversehrt.

„Du musst zuerst den Berg besiegen, dann kannst du sehen, ob du eine gute Zeit erreicht hast“, sagt Cuche. Seit 15 Jahren versucht der Schweizer diesen Berg zu bezwingen, trotz der unglaublichen Erfolge kommt bei ihm aber keine Liebe zur Streif auf. „Liebe? Es ist eher so, dass du zu dieser Abfahrt lieb sein musst.“ Sie besänftigen, damit sie nicht ihre Krallen zeigt. In den vergangenen Jahren versteht das Cuche wie kein Zweiter. Im Vorjahr gelang dem gelernten Fleischhauer sogar mit dem Erfolg im Super-G und im Abfahrtsklassiker ein Doppelsieg. Trotz gebrochener Rippe. „Diese Stunden 2010“, meint er, „sind der Höhepunkt meiner bisherigen Karriere.“ Wobei dem Teufelskerl nun alles zuzutrauen ist, auch bei der WM in Garmisch.

Diese 15 Jahre Kitzbühel-Erfahrung versteht der bullige Schweizer, der sich klein wie eine Kanonenkugel machen kann, perfekt in die Waagschale zu werfen. Cuche ist die personifizierte Entschlossenheit, er hat längst alle Abfahrtsstrecken der Welt im Griff. Schon nach dem Training war klar, dass der Titelverteidiger wieder zu den ganz heißen Eisen zählt. Eine Analyse der Teilzeiten ergab, dass Didier Cuche auf der Streif unschlagbar sein könnte. Weil kein anderer die Schlüsselstellen so perfekt erwischt wie der viermalige Gewinner des Abfahrtsweltcups.


Helm mit Maier-Karikatur. Der eigenwillige, aber bodenständige Kitz-Dominator fuhr der Konkurrenz so richtig um die Ohren, sein Vorsprung auf Bode Miller betrug letztlich fast eine Sekunde (0,98). „Dabei bin ich beim Start hängen geblieben, habe fast den Stock verloren. Ich habe mir diesmal nicht gedacht, dass sich das noch für den Sieg ausgeht.“ Es sollte um Längen reichen. Wobei das Szenario immer gleich bleibt. Der Ski wird in die Höhe geschleudert, geschickt aufgefangen, die Latten werden anschließend geküsst. „Danke an meine Skifirma und meinen Servicemann – es ging heute wirklich blitzschnell!“ Aus Dankbarkeit gab's auch noch eine Verneigung. Vor den Fans und vor der Streif. Auf dem Kopf trug Cuche einen Helm mit einer Karikatur von Hermann Maier, der in Kitzbühel insgesamt fünfmal gewonnen hat. Viermal den Super-G.


Cuche dachte an Hans Grugger. Didier Cuche dachte in der Stunde seines Triumphes auch an den schwer verletzten Hans Grugger. „Ich habe Glück, dass ich schon so lange dabei bin, da tue ich mir leichter, mit solchen Situationen umzugehen“, erklärte er. „Letztlich kann dir dann keiner helfen, am Start bist du immer allein. Du musst allein gegen den Berg bestehen.“ Die Erfahrung hat Cuche Gelassenheit gelehrt. „Es braucht alles seine Zeit.“ So wie der erste Saisonsieg.

Die Österreicher verpassten einen Podestplatz. Mario Scheiber wurde als bester ÖSV-Läufer Vierter. „Aber das ist an diesem Wochenende fast wurscht“, kommentierte der Osttiroler, der in den vergangenen Tagen Schwierigkeiten hatte, eine innere Anspannung aufzubauen. Erst ein Gespräch mit Herrencheftrainer Mathias Berthold und mit der Freundin haben geholfen, die Gedanken an Hans Grugger zu verdrängen. „So gesehen kann ich nicht enttäuscht sein.“ Die Mausefalle aber, die passierte Scheiber nur mit angezogener Handbremse. Wie Klaus Kröll (9.)

Michael Walchhofer, vor dem Seidlalmsprung gestürzt, sprach von einem Anfängerfehler. „Extrem schade, wenn man diese Massen im Ziel sieht. Jetzt habe ich etwas gutzumachen.“ Glück im Unglück hatte der junge Joachim Puchner. zuerst wurde er nach einem Sturz des Italieners Siegmar Klotz (Armbruch) abgewunken, beim zweiten Versuch landete auch er im Netz. „Mir tut im Moment alles weh!“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2011)