Chat-Affäre

Wirbel um Kommunikation von Springer-Chef Döpfner

Archivbild von Springer-Chef Mathias Döpfner.
Archivbild von Springer-Chef Mathias Döpfner.IMAGO/Chris Emil Janßen
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Die deutsche "Zeit" machte interne Mails und Chatnachrichten vom Vorstandschef des Springer-Konzerns öffentlich. Mathias Döpfners Sendungsbewusstsein scheint sehr deutlich.

Ein Medienbericht über angebliche konzerninterne Nachrichten von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat erneut für Wirbel rund um die Affäre um den früheren "Bild"-Chefredakteur Julian Reichelt gesorgt. In den Zitaten, die die Wochenzeitung "Die Zeit" samt den darin enthaltenen Rechtschreibfehlern in ihrem Text anführt, geht es zum Beispiel um abfällige Bemerkungen über Ostdeutschland.

"Die Zeit" veröffentlichte am frühen Morgen einen langen Bericht über den Springer-Chef und berief sich nach eigenen Angaben auf Dokumente, die aus den vergangenen Jahren stammen sollen. Es handle sich um E-Mails und Chatnachrichten aus dem engsten Führungskreis des Medienkonzerns, viele seien vom Springer-Chef selbst. Die Zeitung listete Zitate auf, mehrere davon an den damaligen "Bild"-Chefredakteur Reichelt gerichtet. Die journalistische Marke "Bild" zählt zum Springer-Portfolio.

„Die ossis werden nie Demokraten"

2019 soll der Konzernchef laut dem Zeitungsbericht geschrieben haben: "Die ossis werden nie Demokraten. Vielleicht sollte man aus der ehemaligen ddr eine Agrar und Produktions Zone mit Einheitslohn machen." Die Passagen führten zu Kritik bei Politikern. Der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Carsten Schneider, forderte gar die Ablösung des Springer-Chefs. "Herr Döpfner ist nach dieser Veröffentlichung an der Spitze eines Verlages mit dieser publizistischen Macht und mit Blick auf die wichtige Rolle der Medien für unsere Demokratie endgültig nicht mehr tragbar", sagte der SPD-Politiker dem Nachrichtenportal "t-online".

Springer-Chef Döpfner schrieb im betriebseigenen Intranet noch am Donnerstag an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: "Wie ich denke, zeigen meine über vier Jahrzehnte publizierten Artikel. Für jedes veröffentlichte Wort lasse ich mich in die Verantwortung nehmen. Aus dem Zusammenhang gerissene Text- und Gesprächsschnipsel können nicht als mein 'wahres Denken' dagegengesetzt werden." Der Intranet-Text lag der dpa vor.

Abneigung gegen Windräder - und Angela Merkel?

In den Zitaten, die "Die Zeit" veröffentlichte, geht es auch um Sympathie für die Politik des früheren US-Präsidenten Donald Trump. Und anscheinend geht es laut Bericht auch um Kritik an Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU). "Die Zeit" zog ein Zitat heran, in dem von "M" die Rede ist. "Sie ist ein sargnagel der Demokratie." Es geht bei den Zitaten auch um eine Abneigung gegen Windräder.

Die Zeitung schreibt zudem, dass Verlagschef Döpfner parteilich agiert habe. So soll sich der 60-Jährige vor der vergangenen Bundestagswahl eine Pro-FDP-Berichterstattung in der "Bild" gewünscht haben.

Döpfner ging in seiner Reaktion an die Springer-Mitarbeiter auf einzelne Passagen des "Die Zeit"-Artikels ein. Zum Beispiel sagte er zum Komplex FDP: "Ich streite gerne im Sinne der Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit – gerade auch mit unseren Chefredakteurinnen und Chefredakteuren, die alle mündig und selbstbewusst sind. Das gilt ausdrücklich auch für die behauptete Einflussnahme in Sachen FDP." Er sei den Werten dieser Partei sehr nahe. "Aber unsere Journalistinnen und Journalisten lassen sich davon Gott sei Dank nicht beeinflussen." Am Ende entscheiden laut Döpfner die Chefredakteure.

Reichelt sprach von „Schmutzkampagne"

Mit dem Artikel holt die Affäre um Reichelt den Medienkonzern, der vor allem in den USA expandieren will, erneut ein. Reichelt musste im Herbst 2021 seinen Posten als Chefredakteur von Deutschlands größter Boulevardzeitung räumen und den Konzern verlassen. Hintergrund seines Karriere-Endes bei "Bild" waren Vorwürfe des Machtmissbrauchs in Verbindung mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen gewesen. Der Journalist selbst hatte später von einer "Schmutzkampagne" gegen ihn gesprochen und hatte Vorwürfe zurückgewiesen.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unabhängig von der "Zeit"-Berichterstattung unter Berufung auf eigene Informationen, dass Springer seit geraumer Zeit rechtliche Schritte gegen Reichelt prüfe. Der Medienanwalt von Julian Reichelt, Ben Irle – der auch in der "Zeit"-Berichterstattung zitiert wird -, teilte auf dpa-Anfrage wiederum mit, man prüfe seinerseits "strafrechtliche Verfolgbarkeiten von Verhaltensweisen und zivilrechtliche Inanspruchnahmen sämtlicher Beteiligten".

(APA/dpa)

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