Rurale Schwärmer: The Decemberists formierten sich 2000 in Portland, benannten sich nach den Aufständischen in Russland 1825. Soeben ist ihr Album „The King Is Dead“ erschienen.
„January Hymn“. Im Winter braucht der Mensch warme Schuhe und innigen Gesang. Am besten, man hört gleich Simon & Garfunkel. Wer für diese größten Meister des amerikanischen Zwiegesangs innerlich noch nicht bereit ist, darf ersatzweise zu diesem Jahreszeitenlied der Decemberists greifen, die selbstverständlich nicht nur so heißen, weil sie die (gescheiterte) Revolution lieben. Sondern auch, weil sich viele ihrer Songs winterlichen Spaziergängen verdanken, bei denen man den Atem in der Luft sieht. „I could see her breath lead where she was going to“, singt Colin Meloy, in einer Melodie, die – im Gegensatz zu anderen Melodien auf diesem Album – nicht klingt, als hätten sie R.E.M. für ihren Nachlass übrig gelassen. Das Arrangement ist schlicht, im Wesentlichen eine Gitarre und eine fast unwirkliche zweite Stimme. Aber noch kein anderer Mann westlich des Mississippi hat das Wort „january“ so schön auf sechs Silben gestreckt wie Meloy. Was eine „childhood of snow“ alles vermag!
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Boris Jordan (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr auf FM4.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2011)