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Mario Matt: Der Adler kreist wie in seinen besten Tagen

Mario Matt Adler kreist
Matt(c) EPA (PETER KLAUNZER)
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Zu Kitzbühel hat der zweifache Slalom-Exweltmeister Mario Matt eine besondere Beziehung.

Auf einmal zählt er wieder zu den Mitfavoriten. Vor wenigen Wochen noch galt Mario Matt, der 31-Jährige aus Flirsch am Arlberg, als Abgeschriebener. Als fast Gestriger, dem nichts mehr zuzutrauen war. Er selbst hingegen hat immer an sich geglaubt, war von den guten Leistungen in Adelboden und Wengen am wenigsten überrascht. Zweimal war er in einem Lauf Schnellster, landete trotz hoher Startnummer auf den Rängen vier und fünf. Im heutigen Slalom von Kitzbühel darf man die nächste Matt-Show erwarten. Ein ganz besonderes Rennen für ihn und die Zuschauer.

An Kitzbühel hat Matt sehr unterschiedliche Erinnerungen. In der Gamsstadt hat der Arlberger seinen ersten Weltcupsieg gefeiert, hier war er einmal Zweiter. Und einmal verletzte er sich so schwer an der Schulter, dass er zum zweiten Durchgang gar nicht mehr antreten konnte. Er landete auf dem Operationstisch, musste lange pausieren. Aber das ist nur ein Teil seiner Leidensgeschichte.

Mit Rückschlägen hat der „Adler aus Flirsch“, wie Matt zu seiner Blütezeit gern genannt wurde, längst zu leben gelernt. Er war Senkrechtstarter und Absteiger zugleich, seinen Weg aber hat er nie verlassen. Auch nach den verpassten Winterspielen in Vancouver 2010 nicht. Sein Bruder hingegen durfte in Kanada an den Start gehen, er schlägt sich im Ski Cross hervorragend. Jetzt sind die beiden Brüder im Erfolg wieder vereint.

Das Talent von Mario Matt wurde im Ski Club Arlberg rasch erkannt. Der Tiroler ruhte sich aber nicht nur auf den ihm in die Wiege gelegten Fähigkeiten aus. In Matt schlummerte immer auch schon ein riesiges Kämpferherz. Erste Erfolge stellten sich bei Junioren-Weltmeisterschaften (zwei Silbermedaillen) ein, später im Europacup.

Im Dezember 1999 durfte Matt dann erstmals im Weltcup sein Können unter Beweis stellen. Wenige Wochen später stand er schon ganz oben auf dem Podest – in Kitzbühel. Mit fast einer Sekunde Vorsprung. Und das mit Startnummer 47.

Bei seiner „Heim-WM“ in St. Anton gewann Mario Matt Gold im Slalom, später machte die Schulter nicht mehr mit. Bei der WM 2003 hat der Pferdenarr das Ziel nicht gesehen, auch bei den Titelkämpfen 2005 erging es ihm nicht besser. Zwei Jahre später in Are schlug Matt noch einmal eine goldene Stunde – im Slalom und im Teambewerb. Mario Matt ist daher dreifacher Weltmeister. Und hat die Chance, sich in Garmisch-Partenkirchen in den WM-Geschichtsbüchern zu verewigen. Als dreifacher Champion im Slalom.

„Ich denke von Rennen zu Rennen“, sagt Matt. „Kitzbühel und Schladming, das werden zwei Skifeste. Die will ich genießen.“ Die WM hingegen, die ist noch zu weit weg für ihn. „Man muss gewisse Dinge auf sich zukommen lassen.“

In den vergangenen Jahren hat sich viel verändert im Skiweltcup, Matt aber hat sich immer wieder angepasst. Auch Materialrevolutionen hat er locker mitgemacht. „Ich habe immer gewusst, dass ich einer der Schnellsten sein kann“, meint er selbstbewusst. „Und ich habe immer gewusst, wenn etwas nicht gepasst hat. Ich bin nie im Dunklen getappt.“ Das jetzige Comeback stuft der Techniker als wertvollstes ein. „Es ist kein Comeback, sondern ein Aufstieg.“ Auch darin hat Matt bereits Routine.

Mitunter wirkt der Tiroler, der auch einen Bandscheibenvorfall überwunden hat, etwas wortkarg und introvertiert. Sein wahres Gesicht zeigt er nur vertrauten Menschen. Mario Matt hat jedenfalls längst an die Karriere nach der Karriere gedacht. Und sie bereits aufgebaut. In St. Anton hat er die Après-Ski-Hütte „Krazy Canguruh“ erworben, betrieben wird sie von seiner Freundin. Man findet sie unmittelbar neben jenem Hang, auf dem er einst Gold gewonnen hat. Ganz bewusst ist er sein eigener Werbeträger. Auch das ist Ausdruck seines Selbstvertrauens.

Vor einigen Jahren hat sich Matt aber auch ein anderes Standbein geschaffen. In Flirsch hat er sich ein Gestüt aufgebaut, er hält dort über 20 wertvolle Araber-Pferde. Auf „Lorenzo el Bri“ ist er besonders stolz, der teure Vierbeiner hat bereits mehrere Zuchtpreise gewonnen und Auszeichnungen erhalten.

Auf seiner Homepage beschreibt Matt die Philosophie so: „Vollblutaraber begeistern und faszinieren durch ihre Anmut und ihre besondere Schönheit, durch ihre Ausdauer und ihre Langlebigkeit, durch ihre Energie und ihre Robustheit, durch ihre Schnelligkeit und vor allem durch ihren sanftmütigen Charakter und ihre Gelehrigkeit. Mein Ziel ist es, die Einzigartigkeit meiner Pferde aus seltenen europäischen Linien in reinrassigen Züchtungen weiterleben zu lassen.“

Die Pferde sind mit Mario Matt nie durchgegangen, seine Besonnenheit macht ihn stark. „So schnell“, sagt er heute, „haut mich nichts mehr um.“ Skifahren ist für ihn kein goldener Esel. Sondern einfach nur ein Hobby. „Ohne Freude hat das keinen Sinn.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2011)