Do-It-Yourself

Upcycling: Die neue Liebe zu altem Interieur

Unikate waren schon immer begehrt – aber auch das Recycling von Serienprodukten wird immer öfter nachgefragt.
Unikate waren schon immer begehrt – aber auch das Recycling von Serienprodukten wird immer öfter nachgefragt. Degischer
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Von der Badewanne zum Schrank, vom Müll zur Arbeitsplatte: Alten Möbeln ein zweites Leben zu schenken schont nicht nur Ressourcen. Auch die Geschichte vieler Stücke wird dadurch fortgeschrieben.

Am 6. April wurde in Österreich der Earth Overshoot Day – oder Welterschöpfungstag – begangen. Das bedeutet: Das Ressourcenbudget der Natur ist in Österreich bereits für das gesamte Jahr aufgebraucht. Die Alpenrepublik ist im internationalen Vergleich übrigens besonders ressourcenhungrig, denn der globale Welterschöpfungstag ist „erst“ für den 27. Juli festgelegt.

Kreislauf-Platten

Comeback: Do-It-Yourself

Wie wichtig es ist, mit dem Vorhandenen sorgsam umzugehen, wird aber immer mehr Menschen bewusst. So hat beispielsweise Strasser Steine, Spezialist für Küchen-Arbeitsplatten aus St. Martin im Mühlviertel, unter dem Namen „Re-Stoning“ das weltweit erste Kreislaufsystem für Küchenplatten aus Naturstein entwickelt. Einerseits können nun Abschnitte aus der Produktion wiederverwertet werden: „Sie werden nach Farbe sortiert, zerkleinert und in Kombination mit Recyclingmaterial für die Produktion von neuen Platten verwendet“, erklärt Geschäftsführer Johannes Artmayr.Selbst zu Werkzeug und Farbe zu greifen ist wieder in: Das Upcyceln geliebten Interieurs ist vielen ein Vergnügen, für das auch Kurse und Workshops angeboten werden. Die Do-it-yourself-Variante ist aber auch eine Preisfrage. Denn: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Upcycling günstiger ist. Es werden zwar weniger Rohstoffe verbraucht, aber dafür mehr Zeit.

Andererseits können Endkunden beim Kauf einer neuen Platte ihre alten Naturstein-Arbeitsplatten über den Händler zurückgeben und somit dem Recyclingprozess zuführen. Das daraus entstehende Produkt namens Alpinova wurde im Herbst des Vorjahres vorgestellt und findet großen Anklang. „Die Markteinführung hat unsere Erwartungen übertroffen. Rund 500 Küchen mit Alpinova-Arbeitsplatten stehen bereits in Österreich und Deutschland, die Nachfrage steigt.“

Adaptieren und aufpolieren

»"Eine Badewanne kann sich aber auch in einen Schrank oder ein Regal verwandeln."«

Ulrich Kasess

Doch auch andere Möbel und Einrichtungsgegenstände können re- oder upcycelt werden. So werden beispielsweise alte Türen zu Tischplatten oder es werden aus Holz, das bei der Renovierung alter Häuser anfällt, Küchen gezimmert. „Eine Badewanne kann sich aber auch in einen Schrank oder ein Regal verwandeln“, sagt Ulrich Kasess, Inhaber von Up-Store. Werde Möbelstücken oder anderen Einrichtungsgegenständen ein zweites Leben geschenkt, sollte jedenfalls darauf geachtet werden, dass sich das Teil in einer gewissen Weise ins Ambiente einfügt. „Und sei es als Kontrapunkt“, rät Kasess, der Möbel und Co. meist in Auftragsarbeit re- oder eben upcycelt. Manchmal hätten die Kunden dazu ganz genaue Vorstellungen, brauchten aber mangels handwerklichem Geschick einen Handwerker, um diese Realität werden zu lassen. „Manchmal lassen sie sich dazu von mir beraten“, erzählt er. Der Vorteil bei der Neugestaltung alter Möbel sei eben, dass diese sich aufgrund ihrer Qualität meist reparieren und einem neuen Zweck zuführen ließen.

Dass sich Menschen zunehmend dafür interessieren, führt Miriam Degischer von Camaleo-Wohn-Werkstatt nicht nur auf das steigende Nachhaltigkeitsbewusstsein zurück. „Wir verbinden doch alle mit dem einen oder anderen Möbelstück oder Einrichtungsgegenstand eine bestimmte Erinnerung, es hat sozusagen eine eigene Geschichte. Somit steckt also viel Emotion drin“, meint Degischer. Erhalten die Stücke ein neues Gesicht oder eine neue Bestimmung, werde diese Geschichte nicht nur bewahrt, sondern weiter fortgeschrieben. Sie nennt noch einen weiteren Grund: „Natürlich verändert sich zum Beispiel auch der Geschmack im Laufe des Lebens. Mit Upcycling kann man ein Teil entsprechend adaptieren.“ Und nicht zuletzt: Das steigende Interesse daran sei auch dem zunehmenden Trend zur Individualisierung zuzuschreiben.

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