Online-Meetings statt Live-Konferenzen sind anders als prophezeit wieder Geschichte: In Wien kehren auch die großen, internationalen Kongresse wieder. Hybrid-Veranstaltungen sind kaum ein Thema.
Digitales Meeting statt realem Treffen: Als in der Pandemie alles abgesagt wurde, niemand reisen konnte und alle Abstand halten mussten, wurden auch viele Tagungen und Kongresse kurzerhand ins Internet verlegt.
Das sparte vielen Unternehmen nebenbei auch Kosten, womit die Vermutung nahelag: Auch wenn reale Treffen wieder erlaubt sind, wird sich das Veranstaltungswesen ändern und viele Events nur noch digital stattfinden. Nun: Alle, die dies prophezeit haben, haben sich geirrt, auch „der kluge und weise Bill Gates hat Gott sei Dank ausnahmsweise einmal nicht Recht behalten, als er gemeint hat, dass 50 Prozent der Meetings nach der Pandemie nicht mehr stattfinden werden“, sagt Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner, der am Mittwoch die „Tagungsbilanz 2022“ präsentiert hat.
Denn die zeigt: Im vergangenen Jahr sind auch die Kongresse wieder in großem Stil in die Stadt zurückgekehrt: Konkret haben in Wien 4339 Tagungen mit mehr als 451.000 Teilnehmerinnen stattgefunden, um 143 Prozent mehr als im (Pandemie-)Jahr davor.
Und auch an das Rekordjahr 2019 kam man schon überraschend nahe heran: Die Tagungen im Jahr 2022 entsprechen 79 Prozent des Aufkommens von 2019. Für den Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) sind das „good news“, wie er sagt, der „Restart“ der Meetingmetroplole Wien sei gelungen. Zu verdanken ist die gute Meeting-Bilanz vor allen nationalen Veranstaltungen, die 2022 stark zulegen konnten und sogar über dem Niveau von 2019 liegen.
Kongresstouristen geben viel Geld aus
Allerdings: Die wirklichen Zugpferde, die viele Kongresstouristen in die Stadt bringen (die pro Tag mehr als doppelt so viel Geld in Wien ausgeben wie der durchschnittliche Tourist, 552 Euro nämlich), also eine dementsprechend hohe Wertschöpfung haben, sind internationale Großkongresse, die heuer und in den kommenden Jahren wieder voll zurückkehren sollen: So hat heuer im März wieder der Radiologenkongress mit 17.000 Teilnehmern im Austria Center stattgefunden, überhaupt „ist Wien wieder ein Medizin-Hub“, wie es Tourismsdirektor Kettner formuliert: 45 Prozent jener Nächtigungen, die in Wien durch Kongresse zustande kommen, sind Teilnehmern medizinischer Tagungen zuzuschreiben, 15 Prozent aus dem Bereich Wirtschaft und Politik und je neun Prozent aus den Natur- und Geisteswissenschaften.
„Wieder live austauschen"
Dass Wien als Kongress-Destination international wieder groß mitspielt, liegt nicht nur daran, dass, wie es Kettner formuliert, „die Menschen sich die zivilisatorische Errungenschaft des Reisens nicht nehmen lassen und sich wieder live austauschen wollen“, sondern wohl auch daran, dass die Stadt Kongresse und Veranstaltungen stark fördert. Sprich: Wer sich für eine Tagung in Wien entscheidet, kann bis zu 60.000 Euro Förderung bekommen.
Insgesamt hat die Stadt acht Millionen Euro für den Meeting Fund - der 2021 ins Leben gerufen wurde, um den Kongresstourismus in und nach der Pandemie wieder in Schwung zu bringen - in die Hand genommen, etwas mehr als zwei Millionen Euro sind noch im Fördertopf, der für Veranstaltungen bis Ende 2024 gilt.
Neue Hotels im gehobenen Bereich, die wie berichtet heuer und in den nächsten Jahren eröffnen, würden Wien weiter attraktiv machen, ebenso eine Reihe von neuen Locations für Kongresse und Tagungen: So gibt es mit der Eventlocation „Ariana“ auch in der Seestadt Aspern einen Konferenzort für bis zu 800 Personen, „Weitsicht Cobenzl“ in Döbling hat Platz für bis zu 2000 Teilnehmer. Und auch das Wien Museum neu, das im Dezember eröffnet, wird ab 2024 auch für Meetings und Begleitveranstaltungen buchbar sein.
„Die Welt trifft sich immer noch in Wien"
Und was wurde aus Online-Tagungen? Die gibt es zwar noch - genauer gesagt werden einige der großen internationalen Kongresse als Hybrid-Event ausgetragen: Highlights werden gestreamt, Tagungen aufgezeichnet: 19 Prozent der internationalen Kongresse in Wien hätten im Vorjahr hybrid stattgefunden, sagt Christian Woronka, Leiter des Vienna Convention Bureaus (VCB), „aber nicht alle Inhalte wurden auch live ausgespielt“. Vielmehr zeige sich klar eine „Präferenz für Live-Meetings“; auch dank der „hoher Inspirationskraft“, die von realen Treffen ausgehe: Man tauscht sich vor Ort aus, bekommt neue Impulse“, für viele Veranstalter seien digitale Treffen daher „kein Ersatz für Präsenzveranstaltungen“ mehr. Kurz gesagt: „Die Welt trifft sich immer noch in Wien“.