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Tourismus: Russen stürmen Wien

(c) APA (Herbert P. Oczeret)
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Wien steuert im Bereich des Tourismus von der Krise direkt in das bisher beste Ergebnis in der Geschichte der Stadt. Vor allem der Nächtigungsrekord dank Russen, Deutschen, Italienern trägt hierzu bei.

Wien/Stu. Renate Brauner ist dafür bekannt, ohnehin immer gut gelaunt in der Öffentlichkeit aufzutreten. Am Montag hatte die Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin dafür auch einen handfesten Grund: Wien steuert im Bereich des Tourismus von der Krise direkt in das (bisher) beste Ergebnis in der Geschichte der Stadt: Die Hotellerie verzeichnete 2010 10,9 Millionen Nächtigungen – bei einer Zuwachsrate von 10,3Prozent: „Einen zweistelligen Nächtigungszuwachs hat es in Wien seit der Nachkriegszeit erst zweimal zuvor gegeben“, hielt Brauner erfreut fest.

Tourismus-Direktor Norbert Kettner über die Rekordzahlen: „Wir wissen, dass diese hohe Steigerung zu einem großen Teil einem Nachholeffekt zu verdanken ist.“ Im Klartext: 2009 haben viele Europäer wegen der Wirtschaftskrise ihren Urlaub verschoben, dieser wurde im Vorjahr nachgeholt.

(c) DiePresse

In der Tourismusbilanz stechen zwei Fakten hervor: Die Zahl der russischen Gäste ist um 35Prozent gestiegen – sie sorgten für 384.000 Nächtigungen. Damit sind Touristen aus Russland hinter jenen aus Deutschland, Österreich, Italien und den USA die fünftwichtigste Gästegruppe für Wien. Massive Zuwachsraten (plus 34Prozent auf 79.000) wurden auch bei türkischen Gästen verzeichnet. Das sei ein Hoffnungsmarkt, der seit 2008 gezielt bearbeitet werde, so Tourismusdirektor Kettner.

Die größte Steigerungsrate wurde mit 53 Prozent aber bei den serbischen Gästen verzeichnet. Hier hat sich die Abschaffung der Visumpflicht ausgewirkt. Kettners Bilanz: „Wiens zehn touristische Hauptmärke haben – bis auf Japan – Zuwächse erbracht, sechs davon sogar zweistellige Zuwächse.“ Davon profitiert haben Hotels aller Kategorien – die Bettenauslastung ist von 64 auf 71 Prozent gestiegen.

Die Freude wird allerdings von einem Faktum getrübt: Die Umsätze haben mit dem Nächtigungsrekord nicht mithalten können. Zwar stiegen sie um acht Prozent (im Vergleich zum Krisenjahr 2009) auf 409 Millionen Euro, doch liegen die Umsätze mit 8,5Prozent deutlich unter den Umsätzen von 2008. Anders formuliert: Durch die Krise waren die Hotels gezwungen, mit den Zimmerpreisen deutlich nach unten zu gehen. Nun, da die Krise im Tourismus vorbei ist, wird es für die Wiener Hotels aber schwierig, die Preise wieder zu erhöhen, ohne Kunden zu vergraulen.

 

Werbung über Facebook

Das Tourismuskonzept der Stadt sieht vor, die Nächtigungszahlen bis 2015 weiter auf elf Millionen zu steigern. Dafür wird heuer ein Marketingbudget in der Höhe von 13 Millionen eingesetzt, mit dem Werbeaktionen in jenen 23 Ländern finanziert werden, aus denen fast 90Prozent der Gäste kommen. Neben der klassischen Werbung wird Wien nun verstärkt über die neuen Medien beworben – mit Onlinekampagnen, Websites, Newsletter und Facebook-Auftritten. Bei diesen Werbeauftritten kooperiert Wien mit den Austrian Airlines, die vom Wiener Rekord im Städtetourismus ebenso profitieren, wie dort erklärt wird: „Die Zahl der ausländischen Passagiere mit dem Reiseziel Wien haben wir um 20Prozent gesteigert.“

Gleichzeitig wirft das Jahr 2012 seine Schatten voraus, das im Zeichen des 150.Geburtstags von Gustav Klimt steht. Der Maler wird ein Schwerpunkt der Wien-Werbung im Ausland sein.

Hintergrund

Hoffnungsmärkte für Wien.
Zwei Ländergelten aufgrund ihrer extrem hohen Zuwachsraten als touristische Hoffnungsmärkte der Zukunft. Einerseits die Türkei mit einer Steigerung von 34Prozent bei den Nächtigungszahlen, andererseits auch Serbien mit einer Steigerung von 53Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2011)