Chef Eduard Zehetner weist die Insidervorwürfe zurück und ortet hinter der Anzeige einen weiteren Querschuss seines Vorgängers. Petrikovics feuerte gegen Zehetner wiederholt Querschüsse ab.
Wien. „Mit den großen Fällen kommt die Finanzmarktaufsicht nicht weiter, deshalb beschäftigt sie sich mit Vorwürfen, die jeglicher Grundlage entbehren.“ Immofinanz-Chef Eduard Zehetner verbirgt seinen Ärger über die Untersuchungen der FMA zum Vorwurf des Insiderhandels nicht. Er vermutet, dass hinter der gegen ihn gerichteten Anzeige der frühere Chef der Constantia Privatbank (CPB) und Immofinanz steht: Karl Petrikovics. Dieser weist das „schärfstens“ zurück und behält sich rechtliche Schritte vor.
Petrikovics feuerte gegen Zehetner wiederholt Querschüsse ab. Unter anderem warf er Zehetner vor, er habe Immobilien zu billig verkauft. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen Petrikovics wegen des Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit umstrittenen Aktienrückkäufen und ungeklärten Geldflüssen zwischen der Immofinanz, ihrer einstiger Tochter Immoeast sowie der CPB. Die Bank, die heute geteilt und verkauft ist, musste aufgefangen werden. Zehetner klagte den früheren CPB-Vorstand auf Schadenersatz. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Die Wiener Rechtsanwältin Katharina Jürgens-Schak hat am 25.November 2010 Zehetner wegen des Verdachts auf Insiderhandel angezeigt. Seither untersucht die FMA. „Wir müssen jeder Anzeige nachgehen, im Schnitt dauert das ein Jahr“, argumentiert FMA-Sprecher Klaus Grubelnik auf „Presse“-Anfrage. Erst bei einem Resultat werde der Betroffene informiert, denn: „Eine Prüfung sagt ja noch nichts über das Ergebnis.“
Aktienkäufe wurden gemeldet
Zehetner bestätigt der „Presse“, dass er zwischen 19. und 27.Oktober 2010 für sich 150.000 und für seine Tochter 3000 Immofinanz-Aktien gekauft hat. Am 8.November hat die Immofinanz per Ad-hoc-Meldung den Rückkauf eigener Aktien angekündigt, wodurch der Kurs vorübergehend um rund vier Prozent gestiegen ist. Zehetner wird vorgeworfen, davon beim Aktienkauf gewusst zu haben.
Zehetner dementiert. Nachdem die Hauptversammlung eine Kapitalerhöhung zur Unterlegung einer Wandelanleihe nicht genehmigt hat, wurden Alternativen geprüft. Sechs Varianten seien von der Rechtsanwaltskanzlei Hügel am 3.November präsentiert worden. Der Aktienrückkauf sei als beste Variante gewählt und diese am 8.November beschlossen worden. Eine Spitze gegen die FMA kann sich Zehetner nicht verkneifen: „Allen, denen diese Entscheidungsgeschwindigkeit zu rasch vorkommt, darf ich sagen, dass wir pleitegegangen wären, hätten wir diese Geschwindigkeit im Restrukturierungsprozess nicht gehabt.“ Er habe über das ganze Jahr 1,3Millionen Immofinanz-Aktien erworben und alle Käufe im Rahmen der meldepflichtigen Director's Dealings gemeldet.
Jahrelanger Rechtsstreit
Zehetner, der die Immofinanz nach radikalen Aufräumarbeiten 2009/10 in die Gewinnzone bringen konnte, ist auch mit Klagen geschädigter Anleger konfrontiert. Denn die Immofinanz hat nach der Teilung der CPB die „Bad Bank“ Aviso Zeta übernommen, in der die Altlasten geparkt sind.
Laut Zehetner sind rund 1600 Verfahren mit einem Volumen von 89Mio. Euro anhängig. Wie „Die Presse“ berichtete, haben Anleger zwei Klagen wegen „grob schuldhafter Fehlberatung“ gewonnen. Auch die Immofinanz hat gewonnen. Die Begründung des Handelsgerichts Wien: Der Zuspruch eines Schadenersatzes würde dem Grundsatz der Gleichbehandlung aller Aktionäre widersprechen. Zehetner geht von langen Rechtsstreitigkeiten aus. Aber: „Wir werden nur wenige Verfahren verlieren.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2011)