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Neue Serien: „Poker Face", "Sam - ein Sachse" und noch ein paar Spannungsstücke

Warum die Schnüfflerin in „Poker Face“ im besten Sinne an Columbo erinnert, wie gut die erste deutsche Disney-Plus-Serie gelungen ist - und warum es sich immer noch lohnt, in die letzte Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ einzusteigen: aktuelle Serien im Schnellcheck.

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Poker Face

Road-Movie-Krimi mit Natasha Lyonne, 10 Folgen
Zu sehen auf Sky

Wer in den USA öffentlich machen will, dass er etwas für Unfug hält, sagt: „I call bullshit.“ Der Kuhmist-Kraftausdruck, der hierin für Unwahrheit steht, rutscht Charlie Cale (Natasha Lyonne, bekannt aus „Orange Is the New Black“ und „Russian Doll") sehr oft über die Lippen. Weil sie die geradezu übernatürliche Fähigkeit hat, Lügen zu erkennen – und ständig mit Lügnern zu tun hat. Was Charlie ärgert, freut uns: Denn so ist in der Serie „Poker Face“ stets für Spannung gesorgt.

Diese möchte nebenbei gute alte TV-Krimi-Zeiten neu aufleben lassen, ein Vorbild ist der Spürnasen-Klassiker „Columbo“. Mit diesem teilt „Poker Face“ das Schlurfig-Gemächliche in Erzähltempo und Atmosphäre, die exzentrische Hauptfigur und die dramaturgische Struktur: Wer der Mörder ist, wissen wir hier immer schon von Anfang an.

Originell ist indes die Rahmenhandlung: Weil Charlie es sich mit einem skrupellosen Casino-Mogul verscherzt hat, begibt sie sich auf die Flucht durch den US-Westen. Jede Folge bringt sie an einen neuen Ort – von der Tankstelle bis zum Barbecue-Fest –, wo ihr ein jeweils neuer Fall voll wunderlicher Verdächtiger in den Schoß fällt. Verantwortet hat die humorige, locker gewickelte und subtil politische Serie niemand Geringerer als Rian Johnson („Knives Out“). (and)

>> Mehr zu „Poker Face": Ein Krimi-Vergnügen wie früher

The Diplomat

Botschafterinnendrama, 8 Folgen
Zu sehen auf Netflix

Kate Wyler hat es nicht leicht. Von einem Tag auf den anderen wurde sie als US-Botschafterin nach London geschickt. Und gleich zu Beginn wird ein britisches Militärschiff im Persischen Golf angegriffen. Dutzende tote Soldaten. Steckt der Iran dahinter? Müssen die USA militärisch beispringen? Die politischen Fallstricke und Vernebelungsmanöver sind aber nicht das größte Problem. Sondern Wylers Mann, der ebenso klug wie hemmungslos seine Interessen durchsetzt. Die Beziehungskiste der beiden (sie gespielt von Keri Russell, die bereits in „The Americans“ brillierte, er von Rufus Sewell) ist der wahre Grund, warum man die Serie sehen will. (rovi)

>> Mehr zu „The Diplomat": Diese Botschafterin hat ein Eheproblem

Sam, ein Sachse

Schwarz in Ostdeutschland: eine Biografie nach wahrer Geschichte. 7 Folgen
Zu sehen auf Disney+

Afrodeutsch lautet das Wort, das Sam in der dritten Folge für sich entdeckt. „Eine kleine Kokosnuss“, nennt ihn ein Kumpane zuvor scherzhaft: „Außen schwarz, innen weiß.“ Um den inneren und äußeren (Identitäts-)Kampf eines schwarzen deutschen Mannes geht es in „Sam, ein Sachse“, der ersten deutschen Eigenproduktion auf Disney+, kreiert vom gebürtigen Steirer (genau genommen: Weizer) Tyron Ricketts, basierend auf einer wahren Geschichte: Samuel Meffire ist der erste schwarze Polizist der DDR. Nach dem Mauerfall wird er zu einem Posterboy für eine Diversitäts-Kampagne, später selbst schwer straffällig, schließlich Schriftsteller und Fluchthelfer: Eine bemerkenswerte Geschichte, die hier in einer routinierten, aber deshalb nicht minder packenden Erzählweise geschildert wird.

Sam ist eine komplexe Figur: Der kamerunische Vater ist tot, die deutsche Mutter emotional weit weg. Dem alltäglichen Rassismus - und der brutalen Gewalt rechtsextremer Banden - begegnet er mit ruhiger Verhärtung. Darsteller Malick Bauer macht ihn zwar zum Sympathieträger, doch zu einem mit deutlichen Kanten.

Das Lokalkolorit und die politischen Konflikte der Zeit - die Erzählung beginnt kurz vor dem Mauerfall - müssen leider als schlampig simplifiziertes Hintergrundrauschen für Sams persönlichen Kampf herhalten: Da ist etwa die Freundin und Kindsmutter, die sich im Kampf gegen die staatliche Kontrolle engagiert und Flugblätter im Kinderwagen versteckt. Für Sam hingegen bedeutet die DDR eine Bastion gegen das Neonazitum: „Du willst diesen Staat abschaffen – das letzte bisschen Struktur, das die Leute davor bewahrt, durchzudrehen?“ Schließlich findet er einen „Safe Space“ - und ja, genau dieses Wort fällt in dieser Serie, die mit einem bewusst heutigen Blick und einer heutigen Sprache auf das Ostdeutschland der frühen 90er Jahre blickt. Insgesamt: ein etwas konstruiert wirkendes Bildungsprodukt, aber spannend. (kanu)

>> Tyron Ricketts im Interview: "Einen schwarzen Mann wollte niemand sehen"

The Marvelous Mrs. Maisel

Comedy-Komödie, finale 5. Staffel
Zu sehen auf Amazon

Wir wollen ja nicht zu viel verraten, immerhin soll es Leute geben, die diese überdrehte Serie über eine jüdische Hausfrau in New York, deren Mann sie betrügt, woraufhin sie nicht mehr nüchtern die Bühne eines Stand-up-Comedy-Clubs stürmt und vom Leder zieht, noch nicht gesehen haben. Von der ersten Staffel bis zur fünften und letzten gilt: Die Comedy-Szenen sind die besten, und von ihnen gibt es viele, schließlich macht die fabelhafte Mrs. Maisel Karriere. Mit Höhepunkten und Tiefschlägen: Nicht nur einmal endet ein Auftritt in Handschellen, auch jetzt wieder, in Folge vier. Man merkt der letzten Staffel an, dass das Team rund um Amy Sherman-Palladino in Zugzwang war, was früher schwungvoll war, wirkt jetzt zum Teil hektisch, aber egal: Wir halten die Treue. (best)

Citadel

Geheimdienst-Spektakel, 6 Folgen
Zu sehen auf Amazon

Panoramafenster, edle weiße Sitze, eine Bar mit Chrom und gemusterten Glasfenstern: Im vielleicht schönsten Zug der TV-Geschichte gerät ein Agentenpaar des Geheimdiensts Citadel, Mason Kane (Richard Madden) und Nadia Sinh (Priyanka Chopra Jonas), unter Beschuss und rettet sich nur knapp. Doch dann wird den beiden das Gedächtnis gelöscht, der Geheimdienst, der für alle Menschen nur das Beste will, aufgelöst. Acht Jahre später, Mason ist braver Familienvater mit Haus am Land, holt die Vergangenheit die Agenten in Gestalt eines Ex-Kollegen (Stanley Tucci) ein. Auf geht es wieder in den Kampf gegen das Verbrechersyndikat Manticore, gegründet von den sechs reichsten Familien der Welt und orchestriert von der britischen Botschafterin in den USA (Lesley Manville).

„Citadel“ ist Action in James-Bond-Manier, mit schönen Drehorten und nicht immer logischen Entwicklungen (wer bitte hebt sein flüssiges Gedächtnis in einer Glas-Viole auf?). Entwickelt wurde es von den Russo-Brüdern („Avengers: Endgame“). Amazon hat die Serie mit üppigem Budget ausgestattet und schon vor ihrer Premiere Staffel zwei bestellt. Diverse Spin-offs sollen folgen. Es wird viel zu sehen sein. (her)

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