Analyse

In Russland testen die Chinesen, wie sie westliche Autobauer international ausstechen könnten

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Mit VW verkauft soeben der letzte westliche Autokonzern seine Fabrik in Russland. Der Markt für Neuwagen ist völlig implodiert. Der Kreml spielt Feuerwehr und holt die Chinesen. Nur ticken die anders als die Europäer. Dass die Autofahrer nervös werden, liegt aber nicht nur daran.

Wien/Moskau. Anatolij Artamonow ist natürlich ein nüchterner Realist und hat in seinem Leben viel gesehen. Aber wenn der heute 70-Jährige von Moskau in das knapp 200 Kilometer südwestlich gelegene Kaluga fährt, muss es ihm das Herz brechen. Viele Jahre lang hat er das Gebiet als Gouverneur geleitet – und geschafft, wovon andere Gouverneure nur träumen konnten. Artamonow hat binnen weniger Jahre ein russisches Detroit aufgebaut, indem er von VW über Volvo und Renault bis zu PSA Peugeot Citroën gleich mehrere der westlichen Top-Konzerne zu Investitionen in Kaluga animiert und dann Zehntausende Arbeiter aus anderen Landesteilen angelockt hat. „Wissen Sie, was ich potenziellen Investoren als Erstes gebe?“, fragte er 2012 im Gespräch mit der „Presse“ vor Ort: „Meine Handynummer, damit sie mich bei bürokratischen oder anderen Hindernissen jederzeit anrufen können.“

Über die Russen zu den Chinesen

Heute ruft keiner mehr an, um zu investieren. Heute gibt man sich die Hand zum Abschied. Seit Beginn des Ukraine-Krieges ist kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. Und in der Autoindustrie wird sichtbar, was passiert, wenn westliche Sanktionen – und Selbstsanktionierung westlicher Konzerne – ihre wuchtige Wirkung entfalten.


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