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Kranke Herrscher: Alkoholiker, Epileptiker, Trunkenbolde

Erwiesen ist, dass Napoleon (im Bild eine Bronzestatue) an Hämorrhoiden litt. Ob er wegen Unpässlichkeit zu Waterloo falsche Entscheidungen traf, bleibt natürlich Spekulation.
Erwiesen ist, dass Napoleon (im Bild eine Bronzestatue) an Hämorrhoiden litt. Ob er wegen Unpässlichkeit zu Waterloo falsche Entscheidungen traf, bleibt natürlich Spekulation.(c) REUTERS (SARAH MEYSSONNIER)
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Krankheiten von Herrschern prägten die Weltgeschichte. Neben Erbkrankheiten setzten auch Seuchen ganz unterschiedlicher Art den Dynastien zu. Oder ganz simpel: die Gicht.

Manch großartige Pläne stolzer Feldherrn scheiterten an Feinden, die plötzlich auf dem Schlachtfeld auftauchten, denen mit militärischen Waffen aber nicht beizukommen war: Insekten, Bakterien, Viren, Seuchen. Der Makedonierkönig Alexander „der Große“ etwa bereitete 323 v. Chr. gerade die Eroberung des westlichen Mittelmeeres vor, als ihn eine tückische Krankheit ins Jenseits beförderte. Wahrscheinlich die Malaria. Oder doch eher der Alkoholismus?

Auf jeden Fall schützten im Altertum die Milliarden von Malaria-Mücken aus den Pontinischen Sümpfen in der Campagna di Roma die Stadt Rom vor Angreifern. Wer es dennoch wagte, musste oft mit dem eigenen Tod – und jenem der Truppe – rechnen. Der Westgotenkönig Alarich, der Rom sogar erobert hatte, fiel kurz danach der Malaria zum Opfer, später war es der Ostgotenherrscher Theoderich, der in Ravenna an der Malaria starb. Friedrich I. „Barbarossa“ erkrankte zwar selbst nicht, musste aber seinen Feldzug gegen den Papst abbrechen und Rom fluchtartig verlassen, weil seine Soldaten wie die Fliegen hinweggerafft wurden. Schon dem genialen karthagischen Feldherrn Hannibal war es so ergangen. Man darf annehmen, dass so der Zweite Punische Krieg (218 – 202 v. Chr.) von aggressiven Mücken entschieden wurde.

Berühmte Namen, Jahreszahlen, Fehlentscheidungen und Gebrechen einstiger Herrscherfiguren bietet uns Helmut Neuhold an. Das passt natürlich gut ins Programm des Verlagshauses der Ärzte.

Gicht setzte vielen berühmten Herrschern zu

Neben Erbkrankheiten setzten auch Seuchen ganz unterschiedlicher Art den Dynastien zu. Oder ganz simpel: die Gicht. Darunter litten Zelebritäten wie Wallenstein, Karl V. und Heinrich VIII. Der freilich dürfte auch Diabetiker gewesen sein, was ihn nicht hinderte, weiter so unmäßig zu essen und zu trinken, dass er letztlich 160 Kilo wog. Vielleicht erledigte ihn auch der Skorbut, so genau weiß man es nicht.

Erwiesen hingegen ist, dass Napoleon an Hämorrhoiden litt. Ob er wegen Unpässlichkeit zu Waterloo falsche Entscheidungen traf, bleibt natürlich Spekulation, gäbe aber eine knallige Schlagzeile für den Boulevard her. Der Korse dürfte auch epileptische Anfälle gehabt haben, sein Siechtum in der Verbannung war jedenfalls grausam. Epilepsie quälte übrigens auch Sokrates, Plato und Aristoteles. Angeblich. Auch von Johanna von Orleans wurde das behauptet.

Und dann waren da noch die Syphilis - und Alkohol

Unüberschaubar sind die Opfer der Geschlechtskrankheit Syphilis. Frankreichs Ludwig XIV., Russlands Katharina „die Große“, Iwan „der Schreckliche“ und Sachsens August „der Starke“ zählten dazu. Er war auch dem Alkohol nicht abgeneigt.

Apropos: Der heftigste Säufer unter den russischen Zaren dürfte Peter (1672 – 1725) gewesen sein. Drei Tage dauerten seine Gelage, manchmal starb ein Zechkumpan auf seinem Sessel, der Zar selbst ging mit 52 Jahren mit einem Leberleiden ab. Auch der letzte Zar Nikolaus II. war extremer Trunksucht verfallen, starb aber bekanntlich durch andere Umstände . . .

Das Wodka-Trinken als russische Tradition setzte sich bis in unsere Tage fort. Boris Jelzin betrank sich tagtäglich und konnte sich dennoch lange Zeit seiner politischen Feinde erwehren. Zu den berühmtesten Alkoholikern zählt der Historiker Kaiser Claudius, Dschingis Khan, Otto von Bismarck, Winston Churchill und Mustafa Kemal Atatürk (Leberzirrhose).

Helmut Neuhold
Die Krankheiten der Herrscher
Verlagshaus der Ärzte
176 Seiten, 20 €

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.04.2023)

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