Ex-EU-Kommissar steigt im Kampf um die Führung der Welternährungsorganisation gegen Spaniens früheren Außenminister Moratinos in den Ring. Er will sich nicht zu seiner Bewerbung äußern.
Wien. Vor mehr als sechs Jahren endete seine Amtszeit als EU-Kommissar (1995 bis 2004). Jetzt will Franz Fischler noch einmal die große internationale Bühne betreten. Der ehemalige VP-Landwirtschaftsminister Österreichs (1989 bis 1994) bewirbt sich um den Posten der in Rom ansässigen UN-Welternährungsorganisation FAO. Angeblich auf ausdrücklichen Wunsch von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Dabei stößt Fischler jedoch auf einen gewichtigen Gegenkandidaten aus den Reihen der EU: Auch Spaniens Ex-Außenminister Miguel Angel Moratinos hat sein Interesse bekundet.
Fischler selbst wollte sich auf Anfrage der „Presse“ nicht zu seiner Bewerbung äußern. Er verwies auf eine für Freitag geplante Pressekonferenz.
Die Zeit drängt. Die Bewerbungsfrist läuft am Montag aus. Gewählt wird der Nachfolger des Senegalesen Jacques Diouf bei der FAO-Konferenz zwischen 25. Juni und 2. Juli. Als Favorit gilt der brasilianische Kandidat, FAO-Vize-Generaldirektor José Graziano da Silva. Er hat die Mercosur-Länder und die portugiesischsprachigen Länder Afrikas hinter sich geschart. Seinen Hut in den Ring geworfen hat auch der indonesische Vize-Wohlfahrtsminister Indroyono Soesilo .
Plassnik im Rennen um OSZE
Österreichs Diplomatie greift auch nach einem zweiten Spitzenposten. Am kommenden Montag wird Außenminister Spindelegger im Kreis seiner EU-Kollegen seine Vorgängerin Ursula Plassnik als neue OSZE-Generalsekretärin vorschlagen. Dabei wird es zu einem Duell mit der Türkei kommen. Ankara hat im Dezember Ersin Ercin, seinen bisherigen Botschafter in Brasilia, nominiert. Als Kandidat wurde auch Lamberto Zannier, der italienische Chef der UN-Mission, im Kosovo gehandelt. Zudem gab es Spekulationen, dass die Skandinavier oder die Balten einen Bewerber namhaft machen.
("Die Presse" Printausgabe vom 26. Jänner 2011)