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Tanz, Mann, tanz! Die Frauen schauen dir zu!

In einer ORF-Sendung sollen nicht zwei Männer miteinander tanzen – meinte ein ehemaliger Rennfahrer. Was spricht denn dagegen?

Er wolle nicht, „dass tanzende Schwule wie Alfons Haider Vorbild für die Jugend sind“, sagte Niki Lauda der Zeitung „Österreich“. „Es gibt so etwas wie gute Traditionen in unserer Kultur – dazu gehört, dass Männer mit Frauen tanzen.“

Ich bezweifle, dass man sich von einem Mann, der als Autorennfahrer der Jugend ein Vorbild in Sachen Raserei war, sagen lassen muss, was „gute Traditionen“ sind. Aber interessant ist es doch, warum der für die ORF-Sendung „Dancing Stars“ geplante Paartanz zweier Männer nicht nur bei Lauda, sondern auch bei anderen Größen des Gesellschaftslebens (Ing. Lugner etc.) auf Unbehagen stößt. Sollten zwei Frauen miteinander tanzen, wäre die Aufregung wohl kleiner.

Ich habe dazu eine Theorie: Schuld ist nicht nur die panische Angst mancher Männer vor allem, was nach männlicher Homosexualität aussieht. Nein, es gibt – hoffentlich – auch einen ganz praktischen Grund: die vergleichsweise geringe Tanzbereitschaft von Männern.

Auch im heurigen Fasching beklagen vor Partys und Bällen, Redouten und Kränzchen viele Frauen – auch solche, die sonst nicht an mangelnder Aufmerksamkeit seitens der Männer leiden –, dass sie keinen Tanzpartner finden. In Discos sieht man mehr Männer mit dem Glas in der Hand (und sehr offenen Augen) am Rand der Tanzfläche als auf dieser. Gar nicht so wenige Profi-DJs haben sich für die Auflegerei entschieden, um selbst nicht tanzen zu müssen! Und etliche Männer haben mir vertraulich gestanden, dass auch für sie das Schlimmste an Silvester ist, dass sie alle Jahre wieder von ihren Frauen zum Donauwalzer gefordert werden.

Der chronische Männermangel führt oft dazu, dass Frauen auf Festen miteinander tanzen, was kaum je als homosexuelles Manifest verstanden wird. Wenn dagegen Männer sich paarweise auf der Tanzfläche zusammentun, verschärft das das Problem.

Bleibt die Frage: Wieso sind Männer seltener zum Tanze bereit? Da habe ich, selbst Nichttänzer, nur eine biologische, vielleicht sogar biologistische Erklärung zu bieten: Frauen sehen tanzenden Männern kritischer zu als umgekehrt (Nature, 438, S.1148). Männer freuen sich offenbar schlicht darüber, dass sie Körperteile, die sie begehrenswert finden, in Bewegung erblicken; Frauen dagegen lesen aus dem Tanz eines Mannes eine Menge an Information, die sie dann als Selektionskriterium verwenden. Der Tanz ist eine so gute Informationsquelle, weil er mit Symmetrie zu tun hat, und körperliche Symmetrie spricht immer für gute genetische Ausstattung.

Vor dieser Zeugnisverteilung auf dem Tanzboden bangt vielen Männern, darum verweigern sie sich und verlegen sich auf weniger elegante Präsentationen ihrer Fitness – z.B. auf den Motorrennsport oder auf das Verfassen von Kolumnen.

 

E-Mails an: thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2011)