Cruise-Kollektion

Muskeltraining, Fönfrisuren und Kinogeschichte(n) mit Chanel in Los Angeles

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Virginie Viard entwarf für die Marke Chanel eine Cruise-Kollektion, die von Achtzigerjahre-Hollywood-Ästhetik und Muscle-Beach-Anmutung geprägt ist. Eine Meisterübung, die ganz nach Drehbuch läuft und Lust auf Strandurlaub macht.

Es ist zwar überaus frisch an diesem Frühlingsabend in Los Angeles, aber das passt jahreszeitlich ganz gut: Die Cruise, im Hause Chanel heißt sie freilich Croisière-Kollektion, die Virginie Viard entworfen hat und die in den Paramount Studios in Hollywood gezeigt wird, kommt schließlich erst im November in den Handel. Wenn es draußen kalt wird, machen sich die Reichen und noch viel mehr Schönen auf gen Süden und brauchen dafür passend flatternde Kleidchen - dafür wurden die Cruise-Kollektionen einst ersonnen.

Das Publikum friert also ein wenig (eine etwas grausame Chloé Sévigny, bei der man kurz vorsprechen darf, wurde vom VIP-Team temperatürlich passend ausgestattet und sagt zum Interviewenden: „Sie sehen ja so aus, als sei Ihnen kalt?"), aber Wärme trägt man ja bekanntlich im Herzen - oder sie kommt über den Laufsteg mitgeliefert. Seit Tagen herrscht in Los Angeles Buzz, Vibe und Aufregung um das Défilé des Pariser Luxushauses. Künstler André hat Motive gestaltet, die als Pop-up-Plakate in der Stadt auftauchen und ankündigen, dass Chanel in die Stadt kommen werde.

Ein Plakat von Künstler André.
Ein Plakat von Künstler André.Artwork by André

Farah-Fawcett-Fönfrisuren

Die Namen der Superstars aus der Welt des Entertainments, die auf Andrés Plakaten auftauchen, sprechen eigentlich für sich. Manch ein Branchenkenner mag sich fragen, ob nach dem Berühmtheitsaufgebot auf der Met Gala in New York vor Kurzem überhaupt noch eine Steigerung denkbar ist. Aber bei Chanel, das bestätigt auch Mode-CEO Bruno Pavlovsky im Gespräch mit dem „Schaufenster“, strebe man stets nach Höherem in Form von Schauen, die die Kundencommunity mit dem Genius Loci und dem Kreativtalent des Teams verbinden sollen.

Was Virginie Viard im Sinn hatte, als sie ihre Kollektion entwarf, ist leicht zu erraten: Workout-Sessions am berühmten „Muscle Beach“, Rollschuhfahren am Strand, ein Los-Angeles-Gefühl der Achtziger- und vielleicht Neunzigerjahre. Man denkt an das berühmte Bild von Farah Fawcett auf ihrem Skateboard und überhaupt an die Fönfrisuren von „Charlie's Angels“ (es würde im Grunde nicht verwundern, stünde parallel zum Launch der Kollektion im Herbst auch jener von Haarstylingprodukten aus dem Hause Chanel an). 

Voluminöses Haar durfte auf dem Catwalk nicht fehlen.
Voluminöses Haar durfte auf dem Catwalk nicht fehlen. (c) APA/AFP/MICHAEL TRAN (MICHAEL TRAN)

Es hat mittlerweile Tradition, dass die Stammkundinnen von Chanel sich Sammlerstücke aus den Croisière-Kollektionen herauspicken. Diesmal könnten es die Schuhe mit neonblinkenden Blockabsätzen sein - neben den paillettenbestickten Palmentops natürlich, bei deren Beschau man förmlich die aufgegebenen Bestellungslisten mittickern sieht. Unter den Taschen ist zwischen Mikromodellen, die wie Ketten getragen werden, und einer Maxi-Crossbodybag mit genügend Stauraum für zu lesende Drehbücher die Auswahl ohnehin groß.

Sammlerstücke für Stammkundinnen

Eingebettet ist das Schauentreiben auch diesmal in eine kulturelle Initiative: Chanel tritt als Partner des Academy Museums auf, wo derzeit eine Agnès-Varda-Retrospektive ausgerichtet wird. Am Vortag der Show spricht deren Tochter Rosalie mit der französischen Schauspielerin Marion Cotillard über die Arbeit Vardas, ihre gewinnende Art, klare Vision, das Vermögen, ein eigenständiges Werk zu schaffen.

Die Verbindung zwischen den Vardas und Chanel ist übrigens nicht rein arbiträr: Rosalie Varda ist wie Virginie Viard lange Jahre als Kostümbildnerin tätig gewesen, so haben die beiden einander kennengelernt. Die eine wurde zur auch beruflichen Wegbegleiterin und Produzentin der Filme ihrer Mutter, die andere entschied sich für den Weg zu einem Modehaus. Vielleicht lässt sich ja auch so ganz gut der klar narrative Ansatz einer L.A.-Story erklären, den Viard mit ihrer Croisière-Kollektion verfolgt hat.

Compliance-Hinweis: Der Autor reiste auf Einladung von Chanel nach Los Angeles.


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