Justiz durchsucht Immobilien von Wolfgang und Helmuth Fellner. Die Verleger weisen Vorwurf des Beitrags zur Untreue zurück. Konkret geht es um den Ankauf eines Bürogebäudes in der Geiselbergstraße in Wien Simmering.
[Wien] Es ist ein interessantes Gedankenexperiment: Wie würde Wolfgang Fellner über Wolfgang Fellner schreiben? „Justizskandal im Hause Fellner“ vielleicht. Oder doch: „Falsche Fährte in der Causa Immofinanz“. Genug Stoff für eine Story in seiner eigenen Zeitung gibt es nach Donnerstag jedenfalls: Am Vormittag wurden an fünf verschiedenen Liegenschaften der Fellner-Medienprojekte GmbH – darunter auch an der Redaktion der Tageszeitung „Österreich“ und zwei privaten Wohnsitzen von Wolfgang Fellner – Hausdurchsuchungen durchgeführt. Das bestätigte der Sprecher der Wiener Staatsanwaltschaft Thomas Vecsey der „Presse“. Und die 24 Justizbeamte gingen nicht mit leeren Händen: Rund 25 Aktenordner mit Verträgen und Korrespondenz wurden beschlagnahmt und „zur Wahrung sämtlicher Beschuldigtenrechte amtlich versiegelt“, so Vecsey.
Angeordnet wurden die Durchsuchungen, weil gegen die Medienmacher der Verdacht des Beitrags zur Untreue im Zusammenhang mit der Causa Constantia/Immofinanz besteht. Konkret geht es um den Ankauf eines Bürogebäudes in der Geiselbergstraße in Wien Simmering, das eine Fellner-Firma von der Constantia/Immofinanz erworben hat. Das rote Backsteinhaus steht heute wieder im Eigentum der Immofinanz, die 2005/2006 um angeblich 41 Millionen Euro von der Fellner-Firma gekauft hat. Das Objekt steht heute nur mehr mit 20 Millionen Euro in den Büchern der Immofinanz. „Das war offensichtlich kein gutes Geschäft für die Immofinanz“, so ein Branchenkenner. Die Staatsanwaltschaft untersucht nun, ob die Immobilie ursprünglich zu günstig verkauft wurde – und somit Beihilfe zur Untreue vorliegt. Kronzeuge in der Affäre ist Martin Schweiger, der ehemalige Leiter des Rechnungswesens in der Immofinanz.
Wolfgang Fellner: „Mit Bruder verwechselt“
Wolfgang Fellner reagierte am Donnerstag schnell: Zwei Stunden nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, veröffentlichte er, nach Beratung mit seinem Anwalt Peter Zöchbauer, eine Aussendung, in der es hieß: „Wolfgang Fellner hat mit der gesamten Transaktion überhaupt nichts zu tun.“ Der Austria Presse Agentur (APA) erklärte er, die Hausdurchsuchungen seien „völlig skurril“.
Der geübte Magazin- und Tageszeitungsmacher weiß wohl, dass es besser ist, sich als Beschuldigter zu Wort zu melden. Nun ist der harte Schlagzeilenmacher und Meister der Zuspitzung selbst zur Schlagzeile geworden. Für Fellner ist das ein klarer Irrtum. Er sei weder Geschäftsführer noch Eigentümer der „Medienprojekte GmbH“ gewesen, noch habe er „jemals an Verhandlungen oder Gesprächen mit Karl Petrikovics (dem Ex-Immofinanz-Vorstand, gegen den strafrechtlich ermittelt wird, Anm.) teilgenommen“. Das Interessante an der Aussendung ist: Wolfgang Fellner weist jede Schuld und Beteiligung an dem Immobiliengeschäft von sich, schiebt die Verantwortung sachte seinem Bruder zu, dem Geschäftsführer der Fellner-Medienprojekte GmbH: „Man hat mich mit meinem Bruder verwechselt“, sagte er der APA.
Wobei auch Helmuth Fellner in der Aussendung zu Wort kommt und seine Unschuld beteuert: „Der Ankauf und Verkauf der Liegenschaft wurde sowohl als Büroräumlichkeit als auch zu Veranlagungszwecken durchgeführt. Die Vermutung eines zu hohen oder niedrigen Kaufpreises ist schon allein deswegen falsch, da Anschaffungs- und Verkaufspreis – abgesehen von Gebühren und Verzinsung – ident sind.“ Er habe sofort alle Unterlagen übergeben.
Wolfgang Fellner weist darauf hin, dass bei ihm keinerlei Unterlagen zur Causa Immofinanz gefunden wurden und die Hausdurchsuchung nach 45 Minuten abgebrochen wurde. Er sieht in der Durchsuchung der Redaktionsräumlichkeiten einen „eklatanten Bruch des Redaktionsgeheimnisses“. In seinem Haushalt würden sich „zahlreiche brisante journalistische Unterlagen und Dokumente zur redaktionellen Berichterstattung über die Causae Noricum, Bawag, Grasser, Buwog etc.“ befinden. Die Ordner zu diesen Themen seien im Rahmen der Hausdurchsuchung definitiv gesichtet wurden, so Fellner in der Aussendung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2011)