Davos: Österreichs neue Märkte, Sarkozys neue Welt

Davos oesterreichs neue Maerkte
Davos oesterreichs neue Maerkte(c) AP (Michel Euler)
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Das autoritär regierte Zentralasien präsentiert sich beim Weltwirtschaftsforum als dynamische Wachstumszone, Österreichs Politikerelite buhlt um Exportchancen. Frankreichs Präsident trommelt indes seine G20-Agenda.

Davos. Der österreichische Höhepunkt des Davoser Weltwirtschaftsforums (WEF) ereignete sich in einem holzvertäfelten Hotel namens Waldhuus. Bundeskanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger luden zu einem Arbeitsessen, um für das Schwarzmeer- und Zentralasien-Regionalforum zu werben, das am 8. und 9. Juni in Wien stattfinden soll. In dieser Gegend nämlich erhofft sich Österreichs Wirtschaft neue Exportchancen.

Als dritter Zeremonienmeister des Werbefeldzugs wäre Finanzminister Josef Pröll vorgesehen gewesen, doch er erkrankte nach dem Schladminger Nachtslalom– angeblich ganz plötzlich. Ehrengäste der illustren Runde waren die Präsidenten der Ukraine und Aserbaidschans, Viktor Janukowitsch und Ilham Alijew, sowie Kasachstans Premier Karim Massimov. In ihren Redebeiträgen priesen alle drei ihre Länder als super-dynamische Wachstumszonen an, freilich mit unterschiedlicher Berechtigung. Es war nicht alles für bare Münze zu nehmen, was da behauptet wurde. So erklärte etwa Janukowitsch die Korruption in der Ukraine für überwunden.

Acht Prozent Wachstum

Die Grundlage der Diskussion lieferte OECD-Generalsekretär Angel Gurria mit einer neuen Zentralasien-Studie. Die zusammengezählten Kennzahlen der fünf Länder, die da in einen Topf geworfen werden (Kasachstan, Turkmenistan, Kirgisistan, Usbekistan und Tadschikistan), nehmen sich tatsächlich beeindruckend aus: 92 Millionen Einwohner, darunter nur ein Prozent Analphabeten, ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von acht Prozent in den vergangenen Jahren, eine Versechsfachung direkter Auslandsinvestitionen seit 2005 (auf 19 Milliarden Dollar im Jahr 2009), ein großes landwirtschaftliches Potenzial sowie enorme Rohstoffressourcen.

Die Ölreserven von Kasachstan halten noch geschätzte 65 Jahre, seine Kohlereserven 308 Jahre. Und Turkmenistan wird das Gas erst in mehr als 200 Jahren ausgehen. Dass die fünf Stan-Länder, mit Ausnahme Kirgisistans, allesamt autoritär regiert werden, war kein Thema bei dem Treffen, an dem auch Deutschlands Bundesbankchef Axel Weber und Wirtschaftsbosse wie Siegfried Wolf (Russian Machines), Brigitte Ederer (Siemens) und Wolfgang Eder (Voest) teilnahmen.

Doch ganz unkritisch wollte auch der OECD-Generalsekretär nicht sein. Er nannte drei Herausforderungen für Zentralasien: das geringe Ausbildungsniveau, die schlechte finanzielle Ausstattung kleinerer und mittlerer Unternehmen sowie die Überabhängigkeit von Rohstoffen.

Faymann reist verfrüht ab

Kasachstans Premier versprach Abhilfe: eine Offensive in Humanressourcen und auch in die Infrastruktur. 3500 Kilometer einer neuen 7500 Kilometer langen Autobahn, die China mit Europa verbinden wird, sollen über Kasachstan führen. Auch Aserbaidschans Präsident Alijew ließ es sich nicht nehmen, auf die Wachstumsraten in seinem Reich zu verweisen: (2009: 9,3 Prozent; 2010: fünf Prozent). Und er kündigte, wie das Staatschefs rohstoffreicher Länder gerne tun, eine Diversifizierung der Wirtschaft an. Der Applaus war ihm sicher. Schließlich ging es darum, die gesamte Region als Hoffnungsmarkt zu präsentieren.

„Wir brechen zu neuen Grenzen auf“, schlug WEF-Vetreter Robert Greenhill zum Abschluss euphorische Töne an. Faymann beendete seinen Besuch in Davos übrigens früher als ursprünglich geplant. Er ließ sich die Chance entgehen, auf einem Panel mit Griechenlands Premier Papandreou und Großbritanniens Vizepremier Clegg zu sitzen. Statt mit ihnen die Zukunft Europas zu debattieren, reiste er früher ab. Spindelegger nutzte seinen Aufenthalt, um EU-Kommissarin Viviane Reding, den Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Moussa, den palästinensischen Premier Salam Fayyad und andere Spitzenpolitiker zu treffen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2011)

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