Musikverein feiert den Frühling mit Orgelgebraus

Musikverein feiert Fruehling Orgelgebraus
Musikverein feiert Fruehling Orgelgebraus(c) Clemens Fabry
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Der Goldene Saal, wohl die prominenteste Aufführungsstätte klassischer Musik, bekommt eine neue Orgel. Sie wird im März eingeweiht und erklingt dann in prominent besetzten Festspiel-Konzerten.

Zuletzt war nichts mehr echt. „Wir haben sogar große Werke wie Schmidts ,Buch mit sieben Siegeln‘ mit seinen großen Orgelsoli auf einem elektronischen Instrument aufgeführt“, bekennt Wiens Musikvereins-Intendant, Thomas Angyan, freimütig. Das alte mechanische Instrument war längst ausgebaut. Man musste mit einer Ersatzvornahme leben – „kaum jemandem ist es aufgefallen“, sagt Angyan, was vor allem ein Licht auf die Qualität des früheren Instruments wirft.

Der Wiener Musikverein, so viel stand seit Langem fest, braucht ein adäquates Instrument. Immerhin gehört der Orgelprospekt des Goldenen Saales zu den meistabgebildeten Symbolen des internationalen Musikbetriebs. Die Pfeifen, die man dort sehen kann, sind seit jeher Aufputz, geklungen haben sie nie. 2010 wurde – mit massiver finanzieller Unterstützung durch den Mäzen Peter Pühringer – eine neue Musikvereins-Orgel gebaut und in mühevoller Nachtarbeit auch installiert.

Seit Monaten erklangen in den Nachtstunden mysteriöse Töne aus dem Musikvereins-Gebäude: Die Pfeifen des neuen Instruments wurden intoniert. Nun ist es so weit: Am 26.März kann die Orgel eingeweiht werden. Prominente Organisten aus aller Welt, angeführt von den Wiener Musikern Peter Planyavsky und Martin Haselböck, werden musizieren.

Das ist der Auftakt zum „Frühlingsfestival 2011“, das aus gegebenem Anlass große Orchesterwerke mit virtuosen Orgelparts präsentieren wird. Unter anderem leitet Franz Welser-Möst am 1.April eine Aufführung von Francis Poulencs Orgelkonzert (Solo: Gillian Weir), gefolgt von Richard Strauss' „Alpensymphonie“. Olivier Latry (Paris, Notre Dame) ist Solist in der Wiedergabe von Leoš Janáčeks „Glagolitischer Messe“ durch das RSO Wien (4.April).

Thomas Hampsons Dauerpräsenz

Das RSO ist auch mit von der Partie, wenn Erwin Ortner am 1.Mai mit seinem Arnold Schönberg Chor Franz Schmidts „Buch mit sieben Siegeln“ aufführt (Orgel: Robert Kovacs). Peter Planyavsky wiederum ist der Dirigent eines Abends mit dem Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, für den er ein eigenes Werk komponiert hat, dessen Orgelpart Robert Binder spielen wird (16. Mai). Auch jenseits der Orgelzeremonien ist das Frühlingsfestival luxuriös besetzt. Wobei Thomas Angyan zu erklären weiß, warum im Musikverein im Frühling ein eigenes Festival ausgerufen wird: „Ohne zusätzliche Unterstützung“, sagt er, „könnten wir Orchestergastspiele wie jenes der New Yorker Philharmoniker nicht durchführen.“

Die amerikanischen Gäste musizieren am 15.Mai Mahlers Fünfte Symphonie unter der Leitung ihres Chefdirigenten Alan Gilbert. Im ersten Teil des Abends singt Thomas Hampson die „Kindertotenlieder“. Das ist Teil eines großen Hampson-Schwerpunkts mit Musik von Gustav Mahler. Der Bariton ist unter anderm auch als Solist im „Lied von der Erde“ und mit Liedern aus „Des Knaben Wunderhorn“ zu hören (mit dem Mahler Jugendorchester unter Philippe Jordan am 7. und 8.April).

Außerdem zu Gast beim Frühlings-Festival: Hilary Hahn, Gidon Kremer und Alfred Brendel als Rezitator, die Staatskapelle Dresden, das Orchestre de Paris. Rudolf Buchbinder führt mit den Wiener Philharmonikern innerhalb von 24 Stunden die fünf Beethoven-Klavierkonzerte auf (7. und 8. Mai) und Barbara Moser bittet am 13.April zu einem pianistischen Melomanen-Programm mit Werken von Rossini und Gounod bis Verdi, Liszt und Wagner.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2011)

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