Literatur

„Die Guten und die Toten“: Mysteriöser Autor überzeugt mit Berlin-Krimi

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Eine junge Kommissarin – harte Schale, weicher Kern – bekommt es mit der Drogen-Mafia, Waffenhändlern, korrupten Politikern und der Liebe zu tun. Der Verfassername Kim Koplin ist ein Pseudonym.

Hin und wieder stößt man auf ein Buch, von dem man schnell erkennt, dass es zum Besten gehört, was das jeweilige Genre zu bieten hat. „Die Guten und die Toten“ von Kim Koplin ist so ein Fall. Der Thriller befriedigt das derzeitige Bedürfnis nach schlagkräftigen Frauen in Person der jungen Kommissarin Nihal Khigarian, die gegen den täglichen Frust anboxt, eine Frau mit Migrationshintergrund zu sein. In „Die Guten und die Toten“ bekommt Nihal es mit der Drogen-Mafia, Waffenhändlern, korrupten Politikern und – das Ärgste von Allem – mit der Liebe zu tun.

„Die Guten und die Toten“ jongliert viele Bälle gleichzeitig: Da ist etwa Saad mit seiner kleinen Tochter Leila, der im Parkhaus arbeitet und in fünf Tagen seinen permanenten Aufenthaltstitel bekommt. Saad blickt immer über die Schulter, denn seine Vergangenheit hat noch einige Rechnungen mit ihm offen. Oder sein unternehmerisch veranlagter Kumpel Mohammed, der das Dach der Parkgarage in eine Haschischplantage verwandelt hat. Da ist Phillipp Brasch –„zwei I, zwei L, zwei P, wir nehmen, was wir kriegen können“ –, Staatssekretär mit Zuständigkeiten für Ausfuhrgenehmigungen, der deutsche Waffenhändler Müller und seine dubiosen, gewaltbereiten saudischen Kunden. Und da ist Nihal, die hart gearbeitet hat, um sich eine Karriere bei der Polizei aufzubauen und für das Olympiateam in Boxen trainiert: „Die Linke ist übrigens ihre Schlaghand. Schießt mit links, schlägt mit links, aber schreibt mit rechts.“ All das sieht sie plötzlich bedroht – nicht zuletzt durch ihren kleinen Bruder Jamie, der sich bei ihr eingenistet hat und der es mit den Gesetzen nicht so hat.

Durch diese Handlung hetzt Kim Koplin in rasantem Tempo, erzählt aus wechselnden Perspektiven in einer ebenso lakonischen wie bildstarken Sprache, die den Jargon einer bunten Gesellschaft aufgreift und ein großzügiges Verhältnis zur Grammatik hat. Gesprochen wird diese Sprache von Charakteren, die einem schnell ans Herz wachsen, sogar die Bösen, mit wenigen Ausnahmen. „Die Guten und die Toten“ ist auch eine Hommage an Berlin, etwa an den April in der Stadt, „eine Bitch, die sich tagsüber bauchfrei in Cafés herumräkelt, nachts aber noch immer mit einem Bein in Russland feststeckt“. Oder an die verstopften Straßen, „wo du im Sommer ab drei Uhr nachmittags wie durch einen Strohhalm atmest“.

Bleibt das letzte Mysterium des Buches, nämlich warum ein Autor oder eine Autorin diesen gelungenen Krimi unter Pseudonym schreibt. Von Kim Koplin weiß man nur, dass er oder sie in Berlin, Frankreich und Italien lebt und arbeitet und schon mehrere erfolgreiche Bücher verfasst hat. Und hoffentlich bereits an einer Fortsetzung von „Die Guten und die Toten“ arbeitet.

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