Hinein in die City! Und Frau Stenzel grüßen

Hinein City Frau Stenzel
Hinein City Frau Stenzel(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Ist Wien tatsächlich so schrecklich, wie Rest-Österreicher immer behaupten?

Wien ist nicht so schrecklich, wie es von Bewohnern anderer Bundesländer oft dargestellt wird. Auch von jenen, die selbst nach jahrelangem hier Arbeiten und Wohnen in Wien nicht wirklich angekommen zu sein scheinen. „Echte“ Wiener nennen derartige Kritiker dann manchmal im Überschwang der Gefühle Provinzler. So viel zur innerösterreichischen Völkerverständigung. Dabei könnte besonders für Wien-Nichtversteher ein Urlaubstag inmitten einer geschäftigen Woche Wunder wirken. Gerade in Wien.

Sich einmal Zeit zum Flanieren (steht wahrscheinlich auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Wörter) in der City zu nehmen. Zugegeben, an den seltenen sonnigen Wintertagen, wie er heute erwartet wird, fällt das leichter. Also heraus und hinein in die Innenstadt! Selbst Thomas Bernhard, nach herrschender Lesart – die Mehrheit irrt, wie nicht selten, auch in diesem Fall – der große Misanthrop der Nachkriegsliteratur, gesteht einmal einem seiner Protagonisten einen Anflug von Glücksgefühl beim Spazieren über Graben und Kohlmarkt zu. Nicht nur durch die Stadt von Termin zu Termin oder Geschäft zu Geschäft hetzen zu müssen. Ein Museum zu besuchen, ohne sich lang anstellen zu müssen. Sich weder von Wienern noch Touristen beeindrucken zu lassen. Frau Stenzel freundlich zu grüßen. Kurzum: Wien ist nicht so schrecklich. Lassen wir uns Wien nicht dauernd schlechtreden (hätte nie geahnt, einmal mit Bürgermeister Michael Häupl selbst in der Wortwahl so übereinstimmen zu dürfen). Schimpfen über die Stadt, das können wir Wiener ohnedies am besten.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)

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