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Darlehen: Dem Franken-Dilemma entkommen

Darlehen FrankenDilemma entkommen
(c) Bilderbox.com
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Die heimischen Franken-Kreditnehmer müssen derzeit zusehen, wie sich ihre Kreditschulden seit Jahren erhöhen. Einen finanziellen Schaden kann man noch vermeiden.

Wien. Eigentlich sollte die Nachricht für heimischen Franken-Kreditnehmer erfreulich sein: Der Euro stieg zum Franken seit Jahresbeginn um vier Prozent an. Das heißt, die Kreditschuld der Franken-Darlehen hat sich seither verringert. Die Nachricht kann aber einen schalen Beigeschmack haben. „Wenn sich der Kurs weiter günstig entwickelt, werden die Banken den Kreditnehmern wieder eindringlich empfehlen, den Franken- in ein Eurodarlehen umzuwandeln. Das würde den Kunden aber deutlich teurer kommen“, sagt ein heimischer Finanzberater zur „Presse“.

Keine Frage, die Franken-Kreditnehmer stehen seit drei Jahren unter Druck. Der Euro hat zum Franken seit Sommer 2007 um mehr als 20 Prozent an Wert verloren, die (Buch-)Kreditschuld hat sich dementsprechend erhöht. Ein Beispiel: Für jene, die im Jahr 2000 einen Franken-Kredit im Wert von 100.000 Euro zu einem Euro-Franken-Kurs von 1,6aufnahmen, hat sich die (Buch-)Kreditschuld auf fast 123.000 Euro erhöht. Im Vergleich zu einem Eurokredit ersparte man sich im Franken aber 16.700 Euro an Zinsen.

Unter dem Strich ist man bis jetzt mit einem Franken-Darlehen schlechter gefahren. Dass kann man auch am Kurs sichtbar machen. Laut einer Berechnung der Erste Bank müsste der Euro-Franken-Kurs bei über 1,37 liegen, damit der Fremdwährungskredit bis jetzt günstiger gewesen wäre. Aktuell notiert der Euro aber bei nur 1,29 Franken.

Für die Franken-Kreditnehmer ist die Lage dennoch nicht aussichtslos. Schließlich sind die Währungsverluste nur auf dem Buch und noch nicht real. Trotzdem sollte man schon jetzt Vorkehrungen treffen. „Die Presse“ beleuchtet die aktuellen Problemzonen der Franken-Darlehen und analysiert die Möglichkeiten, dem „Kreditdilemma“ zu entfliehen.

1Eine Konvertierung ist wenig

sinnvoll – jetzt und auch später.

Den Franken- in ein Eurodarlehen umzuwandeln, macht wenig Sinn. Aktuell stellt sich die Frage ohnehin nicht, da der Kurs ungünstig ist und man die Währungsverluste der vergangenen drei Jahre realisieren würde. Sollte sich der Kurs mittelfristig erholen, ist eine Kreditumwandlung aber auch nicht unbedingt ratsam – weil man den künftigen Zinsvorteil im Franken aufgibt.

Laut den jüngsten Prognosen der Erste Bank wird der Referenzzinssatz Euribor, an dem viele Eurokredite gebunden sind, bis Jahresende auf 1,6 Prozent ansteigen. Der Franken-Libor dagegen wird nur bei 0,5 Prozent stehen. Demnach geht die Zinsschere zwischen Euro und Franken wieder auf über ein Prozent auf. Bei einem 100.000-Euro-Kredit ersparen sich die Franken-Kreditnehmer jährlich über 1000 Euro.

Gerhard Massenbauer, Chef der Wiener Censeo Vermögensverwaltung und ein profunder Finanzierungsexperte, rechnet sogar damit, dass in zwei bis vier Jahren die Eurozinsen bei fünf Prozent, die Franken-Zinsen jedoch nur bei 1,5Prozent stehen werden. „Die Schweiz wird versuchen, mit niedrigen Zinsen den Wert des Franken zu drücken. Die exportorientierte Schweizer Wirtschaft hält einen starken Franken, wie wir ihn aktuell sehen, auf Dauer nicht aus. Das werden wir schon bald in den Quartalszahlen der Schweizer Firmen deutlich sehen können.“ Dass es den Zinsvorteil bei Franken-Krediten bald nicht mehr geben werde, wie manche Bankberater postulieren, sei laut Massenbauer „qualifizierter Unsinn“.

Das Geld, das sich die Franken-Kreditnehmer durch den Zinsvorteil sparen, können sie in sinnvolle Maßnahmen stecken, wie folgende Punkte zeigen.

2Laufzeit verlängern, um Währungsverluste gering zu halten.

Die Verlängerung der Laufzeit ist dann zu empfehlen, wenn man den Kredit schon bald tilgen muss– also zu einem sehr ungünstigen Kurs, bei dem man massive Währungsverluste erleiden würde. „Bei uns kann man das Darlehen problemlos verlängern, sofern sich die Kreditwürdigkeit des Kunden nicht verschlechtert hat“, sagt Reinhard Aumann, der bei der Erste Bank für Wohnbaufinanzierungen zuständig ist.

Eine Verlängerung der Kreditlaufzeit ist auch dann notwendig, wenn die monatliche Belastung für den Kreditnehmer zu hoch wird.

3Künftige Beiträge kann man in Lebensversicherung einzahlen.

Die meisten Franken-Kredite sind endfällig. Das heißt, es werden während der Laufzeit nur Zinsen gezahlt, die Ratenzahlungen werden aber in einen Tilgungsträger (etwa Lebensversicherung oder Investmentfonds) eingezahlt. Am Ende der Laufzeit wird der Kredit mit dem angesparten Tilgungsträger auf einen Schlag beglichen.
Ein Problem haben jene, deren Tilgungsträger als Investmentfonds gestaltet sind. Die Fonds verloren durch die Finanzkrise teilweise dramatisch an Wert und sind jetzt unter dem Plansoll. Zudem werden sie durch die neue Kursgewinnsteuer massiv belastet.
•Bei Krediten mit einer Restlaufzeit von mindestens zehn Jahren könnte man die künftigen Beiträge in eine fondsgebundene Lebensversicherung wechseln. Versicherungsprodukte sind nämlich von der neuen Steuer ausgenommen. Bei einer Restlaufzeit von nur fünf Jahren macht der Wechsel in eine Versicherung keinen Sinn, da die anfänglichen Kosten zu hoch wären und nicht genug Zeit bleibt, dass die Versicherung ordentliche Rendite abwirft. Gerhard Massenbauer, empfiehlt etwa die Produkte der APK Versicherung. „Es gibt bei der APK ordentliche Fonds und keine Abschlussprovisionen, die Kosten sind im Vergleich zu anderen Versicherungsgesellschaften gering.“
•Bei Darlehen mit kurzen Laufzeiten bleibt wohl nichts anderes übrig, als die Beiträge zu erhöhen. Das sollte aber nicht das große Problem sein, da die Zinsbelastung derzeit äußerst gering ist.

4Vorzeitige Tilgung ist beim aktuellen Wechselkurs nicht ratsam.

Es macht nur unter bestimmten Umständen Sinn, beim endfälligen Kredit schon früher mit der Tilgung zu beginnen. Das reduziert die Kreditschuld und daher die Zinsbelastung. Aber: Die Tilgungsraten müssen zunächst in Franken umgerechnet werden. Durch den aktuellen Kurs sind die Raten aber weniger wert. Man könnte in diesem Fall das Geld beiseite legen und erst bei einem günstigeren Wechselkurs einen größeren Betrag in die Tilgung stecken. „Eine größere Teiltilgung wäre bei einem Euro-Franken-Kurs von 1,45 zu überlegen“, so Massenbauer.

Wenn Banken empfehlen, das endfällige Darlehen generell auf einen Abstattungskredit umzuwandeln, sollte man die Inflation beachten. Eine hohe Inflation hilft nämlich. Ein Worst-Case-Szenario verdeutlicht das: Der Tilgungsträger reicht bei einem 25-jährigen Kredit am Ende der Laufzeit, etwa 2020, nicht aus. Offen sind noch 8000 Euro. Bei einer jährlichen Inflation von zwei Prozent haben die 8000 Euro nur einen realen Gegenwert von nur knapp 4000 Euro.

Wenn man hingegen mit laufenden Ratenzahlungen tilgt, zahlt man den Kredit mit nicht inflationiertem Geld zurück. „Eine höhere Inflation, die bestimmt kommen wird, hilft bei laufenden Ratenzahlungen nicht“, sagt Peter Wageneder, Chef und Gründer von AAA Private Investments, die derzeit mehr als 400 Franken-Kreditnehmer betreut.

Bloomberg

Was Sie beachten sollten bei... Franken-Darlehen

Tipp 1

Unabhängige Beratung. Die Franken-Kreditnehmer, die seit Monaten unter Druck stehen, sollten sich ordentlich beraten lassen – bei unabhängigen Beratern. Dazu zählen die meisten Banken nicht, weil für sie das Kundeninteresse oft nicht an erster Stelle steht. Klar ist auch: Unabhängige Beratung kostet Geld, zahlt sich aber aus.

Tipp 2

Druck der Banken. Fällt der Euro zum Franken ab, fordern die Banken von ihren Franken-Kreditnehmern gerne neue Sicherheiten ein. Auch hier sollte man ordentliche Berater aufsuchen. Denn mit den Banken kann man verhandeln, um die Hinterlegung von Sicherheiten zu vermeiden oder die Höhe zu reduzieren.

Tipp 3

Maßnahmen. Noch ist den Kreditnehmern kein großer Schaden entstanden. Die Währungsverluste sind in den meisten Fällen nur auf dem Papier – und noch nicht realisiert worden. Man sollte aber Vorkehrungen treffen, etwa den Tilgungsträger umstellen oder einen Teil des Kredites schon jetzt tilgen (siehe Artikel unten, Anm.).

Tipp 4

Inflation hilft. Und zwar bei endfälligen Darlehen. Ein Beispiel: Der Tilgungsträger bei einem 25-jährigen Kredit reicht im Jahr 2020 um 8000 Euro nicht aus. Diese 8000 Euro haben aber bei einer zweiprozentigen Inflation nur einen Gegenwert von 4000 Euro. Bei laufenden Ratenzahlungen zahlt man nicht inflationiertes Geld zurück.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2011)