Lage in Tunesien entspannt sich

TUNISIA PROTESTS AFTERMATH
(c) EPA (Stringer)

Nach der Räumung des Regierungsviertels gab es nur noch wenige Proteste. Bei der Räumungsaktion waren etwa 15 Menschen verletzt worden.

Einen Tag nach den erneuten Zusammenstößen zwischen Polizei und regierungskritischen Demonstranten hat sich die Lage in der tunesischen Hauptstadt Tunis am Samstag entspannt. Der Platz vor dem Sitz von Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi wurde abgeriegelt und gesäubert, nachdem Polizisten dort am Freitag Demonstranten vertrieben hatten. Sie hatten dort seit Tagen ausgeharrt und Ghannouchis Rücktritt gefordert.

Vereinzelt protestierten am Samstag noch einige Jugendliche gegen die "Brutalität" bei der Räumungsaktion, bei der nach übereinstimmenden Angaben etwa 15 Menschen verletzt wurden. Von einer angespannten Situation war jedoch nichts mehr zu spüren, vielmehr machte sich ein Gefühl der Erleichterung breit.

"Ich habe genug", sagte ein Lebensmittelhändler, der am Samstag erstmals seinen Laden wieder öffnen konnte. Schon am Freitagabend war ein gewisser Überdruss im Stadtzentrum zu spüren gewesen. Dort beobachteten AFP-Korrespondenten, wie Händler Polizisten dabei unterstützten, Demonstranten zu verjagen. "Sie wollen nicht demonstrieren, sondern etwas kaputtmachen", sagte ein Einwohner, der sich an der Verfolgungsjagd beteiligte. "Auch wenn noch nicht alles vorbei ist, ist es doch das Ende der Bewegung", sagte eine Studentin.

Ghannouchi, der seit 1999 das Amt des Ministerpräsidenten inne hat, hatte am Donnerstag das Kabinett der Übergangsregierung nach dem Sturz von Präsident Zine El Abidine Ben Ali umgebildet und fünf Minister ausgewechselt. Er selbst blieb aber im Amt und erklärte, es handle sich um eine Übergangsregierung mit dem klaren Ziel, den Wechsel zur Demokratie einzuleiten. In einem Fernsehinterview sagte Ghannouchi am Freitagabend, die zwei größten Herausforderungen, vor denen das Land stehe, seien die Demokratisierung und die Wiederbelebung der Wirtschaft. Zwar habe Tunesien keine große Erfahrung, was den Übergang zu einer Demokratie angehe, das Land habe aber die Verpflichtung, sich dieser Herausforderung zu stellen.

(Ag.)